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Feine Kost und hilfreiche Routinen

Rüdiger Zurheide und sein elf Monate älterer Bruder Marco sind mit dem gleichnamigen Familienbetrieb groß geworden und teilen sich heute die Verantwortung.

Porträt von Rüdiger Zurheide, im Hintergrund eine Weihnachtsmannfigur

Pia Arras-Pretzler

02.11.2026

Lesezeit 3 Minuten

Morgens um neun hat Rüdiger Zurheide schon einiges hinter sich: Er ist wie jeden Tag sehr zeitig aufgestanden und posiert gerade geduldig für unseren Fotografen im Eingangsbereich von Edeka Zurheide im Düsseldorfer Süden, für die er ebenso verantwortlich ist wie für die Filiale an der Berliner Allee. Zurheide ist ein Familienbetrieb und gehört zur Genossenschaft Edeka, mit mehreren Filialen in Düsseldorf und im Ruhrgebiet. Fürs Interview setzen wir uns ins Café, er bestellt sich eine heiße Schokolade: „Unsere eigene Kaffeerösterei gibt es seit etwa 25 Jahren, und fast ebenso lang versuchen die Mitarbeiter, mir Kaffee schmackhaft zu machen, aber ich mag nun mal nichts Bitteres. Ich mag es süß!“ Über Süßes lernte er auch seine Frau kennen: Sie war damals für eine Firma tätig, die Kuchen vertrieb, und deshalb bei den Gourmettagen von Edeka vertreten. Inzwischen hat das Paar zwei Söhne, fast zehn und fast sieben Jahre alt, und in ihrem Haushalt wird ausschließlich Wasser und Milch getrunken – für Gäste gibt es eine Kapselmaschine, falls jemand Kaffeedurst hat. Obwohl Rüdiger Zurheide für die beiden Standorte in Düsseldorf, Deutschlands größte Erlebnissupermärkte, verantwortlich ist, mag er es privat gern unkompliziert, wie er verrät: „Ich bin im Ruhrpott aufgewachsen, ich esse am liebsten Hausmannskost.“ Hat er sich schon durch seine eigenen Läden durchprobiert? „Das würde nicht klappen! Wir führen in der Innenstadt 60 000 verschiedene Artikel, hier sind es 50 000, und ich habe mal zum Spaß in der Statistik nachgeschaut: Im Durchschnitt kommen übers Jahr jede Woche Dutzende neue Artikel dazu, und ebenso viele verschwinden wieder.“ Wofür er aber alles stehen und liegen lässt, ist das Erdbeer-Tiramisu seines Convenience-Bereichs. „Bis auf eine Abstinenz-Phase von etwa zwei Jahren, da hatte ich wohl zu viel davon erwischt.“ Rüdiger Zurheide ist mit Edeka aufgewachsen. „Als ich noch zu Hause gewohnt habe, hatten meine Eltern zwei bzw. drei Läden, je nachdem, welchen Zeitraum man betrachtet. Meine Eltern haben immer viel gearbeitet, und uns Kindern wurde vermittelt: Wenn ihr etwas wollt, dann müsst ihr euch das erarbeiten.“ Und so sortierte er schon während seiner Schulzeit Leergut und machte auch seine Lehre im elterlichen Betrieb. „Erwartet wurde das nicht, mein Vater meinte immer: Macht, was ihr wollt. Aber ich hatte Freude daran. 

Mit mir kann man sich schlecht streiten.

Juliane und Victoria Frankenheim

Die Genossenschaft sieht es gern, wenn sich der Nachwuchs auch andere Betriebe anschaut, aber bei meinem Bruder und bei mir hat das nicht funktioniert, denn wir waren zu diesem Zeitpunkt schon so viel mehr Verantwortung gewohnt und hatten das Gefühl, wir verschwenden unsere Zeit mit den typischen Azubi-Aufgaben.“ Bei Rüdiger Zurheide wollte es der Zufall, dass er bereits zum Ende seiner Lehre eine Filiale übernehmen konnte, weil der Marktleiter in Ruhestand gegangen war. „Das war eine harte Zeit. In dem Markt arbeiteten gestandene, ältere Damen, mit denen ich klarkommen musste – was nicht einfach war mit meinen 18, 19 Jahren. Außerdem fühlte ich meine Verantwortung sehr deutlich: Hätte ich einen schlimmen Fehler gemacht, wären vielleicht 50 Leute ohne Arbeit dagestanden. Das schlug mir ganz buchstäblich auf den Magen, was mir zeigte, dass ich mich in unterschiedlichste Richtungen weiterbilden will, um mit schwierigen Situationen umzugehen.“ Womit wir beim frühen Aufstehen wären: Rüdiger Zurheide lernte in Coachings feste Routinen, die ihm halfen, Ärger nicht mit nach Hause zu nehmen. „Wenn ich heute ein Problem habe, dann bleibt dieses Problem bei der Arbeit und kommt erst am nächsten Tag wieder dran. Ich brauche schon lange keinen Wecker mehr, ich werde von selbst zur gewohnten Zeit wach, auch am Wochenende. Dann stehe ich leise auf und gehe schon mal in den Sportraum und mache zwei Stunden Sport. Bewegung und Sport sind ein wichtiger Ausgleich für mich, ich hatte schon mit Anfang zwanzig Ärger mit den Bandscheiben … Meine Jungs kommen oft irgendwann nach und später frühstücken wir zusammen.“ Traditionellerweise trifft sich die Kernfamilie Zurheide, also Vater, Mutter und die Brüder, samstags dafür in einem ihrer Märkte. „Meine Frau und meine Kinder kommen später dazu, danach wird der Wocheneinkauf erledigt. Mit Liste.“ Seine Frau arbeitet inzwischen wieder Vollzeit, und da Rüdiger Zurheide seinen Tag so früh beginnt, lässt er ihn entsprechend früh enden. „Ich versuche, rechtzeitig nach Hause zu fahren, damit ich noch etwas von den Kindern habe. Unser Tag endet auch recht bald – früher lagen die Kinder schon um sieben im Bett, und ich bin auch keine Nachteule.“ Aber noch ist es Vormittag, Rüdiger Zurheide hat seinen Kakao längst ausgetrunken und verabschiedet sich – sein nächster Termin beginnt in 20 Minuten.

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