Ich verbringe viel Zeit damit, alles im Griff zu haben. Listen, Regeln, Routinen – all das nehme ich dankend an. An den meisten Tagen weiß ich ganz genau, wer wann wo sein muss und was noch fehlt. An den anderen Tagen weiß ich, was mir am besten tut und mir eigentlich fehlt. Und dann gibt es diese kleinen Momente, die so leise nebenher passieren, dass ich selbst erst später merke, was eigentlich passiert ist. Und ausgerechnet das, was ich nicht planen konnte, bringt mich am meisten zur Ruhe. Genau da wird’s spannend.
Diese Ruhe finde ich im Zusammensein mit einer Person. Sie macht mich ruhig – und wach. Wir sind uns nicht begegnet, weil man sich verabredet hat, sondern weil wir uns eh begegnet sind. Es war ein Kennenlernen ohne Kennenlernen. Man kannte sich. Jeder kannte sich. Auch die Kinder. Die anderen Nachbarn. Wie in einer Sitcom, in der alle so nah beieinander leben, dass man irgendwann vergisst, wer eigentlich wo wohnt. „Willst du vorbeikommen?“ – ein Satz, so beiläufig er auch klingt, der für mich eine neue Realität eingeläutet hat.
In dieser Realität mit zwei Haushalten findet vieles parallel statt: Unsere Kinder haben ihren eigenen Rhythmus, sind in ihrem eigenen Kosmos und ab und zu treffen sich die Umlaufbahnen. Mal geplant, mal spontan. Wenn unsere kleinen Persönlichkeiten aufeinandertreffen, ist es wie ein Kennenlernen auf einer anderen Ebene. Das ist schön wild und herrlich chaotisch. Diskussionen über das letzte Stück Melone, was gespielt wird oder wer in welchem Team ist – Toben, Lachen, Weinen und Streit liegen nah beieinander. Die Übergänge sind fließend, manchmal innerhalb derselben Minute. Doch zum Glück sehen vier Augen mehr als nur meine zwei. Und Konflikte können schneller gelöst werden als die Snackdose leer ist.