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Von einer, die auszog

Antonia Steinberg macht auf ihrem Instagram-Kanal öffentlich, womit viele Frauen hinterm Berg halten: wie schwierig es sein kann, ein zweites Mal schwanger zu werden. Und dass eine künstliche Befruchtung manchmal der einzige Weg ist, sich den Wunsch nach einem weiteren Kind zu erfüllen.

Porträt von Antonia Steinberg, im Hintergrund ein Spielplatz

Pia Arras-Pretzler

09.07.2026

Lesezeit 3 Minuten

Buxtehude ist einerseits berühmt dafür, dass viele den Namen für ein Fantasiewort halten und – ähnlich wie bei Bielefeld – nicht davon ausgehen, dass es den Ort überhaupt gibt. Märchenfans hingegen verbinden mit der (seit einiger Zeit wieder Hanse-)Stadt die Geschichte vom Hasen und vom Igel – die soll sich auf der kleinen Heide bei Buxtehude zugetragen haben. Antonia Wesseloh weiß als Jugendliche weder, dass ihre Heimatstadt im Rest der Welt so einen lustigen Klang hat und als Synonym für „irgendwo“ oder „nirgendwo“ benutzt wird, noch üben Hase und Igel eine besondere Faszination auf sie aus – sie will in die weite Welt, zum Beispiel als Schauspielerin oder als Model. Die 14-jährige Antonia verschickt Fotos und Bewerbungen an verschiedene Agenturen, und es klappt tatsächlich. Eine große Hamburger Agentur nimmt sie unter Vertrag, und für Antonia beginnt eine Lebensphase, die der inzwischen 30-Jährigen weit entfernt erscheint: „Meine erfolgreichste Zeit als Model war zwischen 15 und 18, 19 Jahren, und im Nachhinein kann ich von Glück reden, dass ich da unbeschadet durchgekommen bin. Ich war ja ganz allein unterwegs und früh auf mich selbst gestellt.“ Die Agentur schickt Antonia zu Castings rund um den Globus, sie fehlt oft in der Schule. Aber sie hat Erfolg, läuft für die großen Marken und erscheint auf den Titelbildern internationaler Magazine. Antonias Eltern sind getrennt, ihre Mutter ist mit Antonias beiden Brüdern mehr als ausgelastet, zumal einer von ihnen mit einer Seltenen Erkrankung zur Welt gekommen ist und viel Unterstützung braucht. „Meiner Mutter fiel es nicht leicht, mich ziehen zu lassen, aber sie wurde zu Hause gebraucht und konnte mich nicht begleiten. Mein Anker war die Schule. Mein Vater ist Lehrer und hat mir immer klargemacht, dass ich einen Abschluss brauche und dass das nicht verhandelbar ist.“ Antonia schafft ihr Abi trotz der vielen Fehlzeiten – sie nimmt sich dafür ein Jahr Auszeit von der Schule, als Modeln und Schule gar nicht mehr unter einen Hut zu bekommen sind. 

Alles auf dem Weg wird einen Sinn haben.

Antonia Steinberg

Bald nach ihrem Abitur lernt Antonia ihren jetzigen Partner kennen. In dieser Zeit kristallisiert sich für sie auch heraus, wie es für sie weitergehen soll: Sie beginnt, Psychologie zu studieren. Im Moment schreibt sie an ihrer Doktorarbeit. Thema: Die Auswirkung Seltener Erkrankungen eines Kindes auf das System Familie. Das Modeln hängt sie nicht vollständig an den Haken, es läuft nebenher weiter und nimmt nicht mehr so viel Raum ein. Ihr erstes Kind bekommt das Paar noch in Hamburg – einer Stadt, in der sich die beiden sehr wohlfühlen. Als ihr Partner ein Jobangebot in Düsseldorf bekommt, zögern die beiden – aus den üblichen Gründen: alles ein bisschen kurzfristig, wo sollen wir wohnen, und wie organisieren wir so schnell eine gute Betreuung für unser Kind? Schließlich entscheiden sie sich doch für diesen Schritt: „Und es hat im Endeffekt alles wunderbar geklappt, sowohl die Wohnungssuche als irgendwann dann auch der Betreuungsplatz.“ Was aber nicht sofort klappt, ist die zweite Schwangerschaft. „Ich fühlte mich nach dem ersten Kind nicht sofort bereit für das nächste, aber mit der Zeit dann eben doch. Dann lässt man es darauf ankommen, aber nichts passiert. Erst haben wir das so hingenommen, aber irgendwann gemerkt –  beim zweiten Mal scheint es nicht so einfach zu funktionieren.“ Untersuchungen ergeben: eigentlich alles in Ordnung. Es tut sich trotzdem nichts und Antonia beginnt den Gedanken zuzulassen, dass wohl nur In-vitro-Fertilisation zum Erfolg führen wird. Auf diese Reise nimmt sie ihre Follower auf Instagram mit. „Ich bin eine Person, die eigentlich viel teilt. Und ich bin der Überzeugung: Reden hilft. Nicht nur mir, sondern auch den anderen. Natürlich habe ich mir gut überlegt, was ich tatsächlich teilen möchte. Ich habe zum Beispiel meinen Mann komplett rausgelassen, aber meine Erfahrung ist: Wenn ich mich öffne, dann öffnen sich die anderen auch. Und ich bin grundsätzlich Fan davon, Dinge offen anzusprechen. Ich hatte einige Zeit nicht das Gefühl, auf Instagram etwas mitteilen zu wollen, es gab einfach nicht so viel zu erzählen, aber meine IVF-Reise fand ich relevant, damit wollte ich anderen Frauen Mut machen, die gerade Ähnliches erleben.“ Und wie im Märchen wendet sich Antonias Geschichte zum Guten: Im Moment ist sie im Urlaub. Denn nicht nur IVF ist anstrengend – eine Schwangerschaft ist es auch.

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