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Die Wohnzimmer der Stadt

Ein leises Stimmengewirr, das Klackern von Laptoptasten, eine Kindergartengruppe läuft Richtung Kinderbibliothek. Zwischen Bücherregalen sitzen Student:innen, Eltern mit Kleinkindern blättern durch bunte Bilderbücher, an den Fenstern zwei Seniorinnen. Wer die Zentralbibliothek im KAP1 betritt, spürt sofort: Hier sind alle willkommen!

Kinder forschen in der Stadtbücherei

Claudia Giesen

27.01.2026

Lesezeit 3 Minuten

„Wir wollten eine Bibliothek schaffen, die mehr ist als eine Ausleihstelle – einen Ort zum Bleiben“, sagt Stephan Schwering, seit August 2025 Leiter der Stadtbüchereien Düsseldorf. 600 Arbeitsplätze gibt es im KAP1: ruhige Lernboxen, Gruppentische, Fensternischen. Dazu freies WLAN, 2000 Steckdosen, PC-Arbeitsplätze und das Café Xafé.  Bei der Planung der 2021 eröffneten Zentralbibliothek ging es vor allem um die Frage: Was brauchen die Menschen? In Workshops und Bürgerbeteiligungen entstanden konkrete Wünsche – mehr Steckdosen, viele Sitzgelegenheiten, flexible Arbeitszonen und ein 100 Quadratmeter großer Dachgarten mitten im hektischen Bahnhofsviertel. Die Bibliothek versteht sich als ein Raum zwischen Arbeit und zu Hause, offen für Lernen, Austausch und Gemeinschaft.

Vom Ausleihen zum Aufhalten

Früher waren Bibliotheken reine Ausleihstationen. Heute sind sie Aufenthaltsorte – mit mehr Platz für Menschen als für Medien. „Früher wollte man die Regale vollstellen, heute schaffen wir Freiraum“, sagt Schwering. Die Zentralbibliothek ist in zwei Ebenen gegliedert: „Hirn“ und „Herz“. Oben wird konzentriert gelernt, unten begegnet man sich – in Kinder- und Jugendbibliothek, Veranstaltungssaal, Multifunktionsfläche, Café und LibraryLab. Die Kinderbibliothek bietet auf 800 Quadratmetern 38 000 Medien – von Bilderbüchern über Tonies bis zu Spielen und digitalen Lernangeboten. Zwischen Kletterbaum, Lesehöhle, Kinderwagenstellplätzen und Wickel-/Stillräumen lädt alles dazu ein, Geschichten zu erleben und Neues zu entdecken. In der sogenannten Kreativschmiede finden regelmäßig Veranstaltungen statt, bei denen gebastelt, gebaut und programmiert wird. Gleich nebenan liegt die Jugendbibliothek mit 5000 Medien auf 200 Quadratmetern – Romanen, Mangas, Games und Fachliteratur. Jugendliche können hier lesen, zocken oder an Workshops zu Gaming, Coding und Programmieren teilnehmen. Besonders beliebt bei Jugendlichen sind die Angebote des LibraryLabs, in dem Besucher:innen neue Technologien wie VR, 3-D-Druck oder digitale Spiele ausprobieren können – einige Formate sind allerdings erst ab 16 Jahren zugänglich. „Wir wollen Jugendliche bei ihren Interessen abholen – und für digitale Bildung begeistern“, sagt Schwering und ergänzt: „Sie sollen erleben, dass Lernen Spaß macht – 
und dass die Bibliothek ein Ort ist, an dem man Dinge ausprobieren darf.“

Leseförderung und Medienkompetenz von Anfang an

Lesen beginnt lange, bevor Kinder Buchstaben entziffern können. Im Lesegarten der Zentralbibliothek treffen sich Eltern, Großeltern und Kinder bis drei Jahre, um gemeinsam Geschichten zu entdecken. Mehrsprachige Vorlesestunden, der Sommerleseclub und Kooperationen mit Schulen fördern die Freude am Lesen. Drei Medienpädagog:innen zeigen Kindern im KAP1 und in den Stadtteilbüchereien außerdem, wie man Fake News erkennt, mit 3-D-Stiften arbeitet oder kleine Roboter programmiert. „Wir sind der außerschulische Ort, an dem Leseförderung und Medienkompetenz zusammen gedacht werden“, sagt Schwering. Auch digital sind die Stadtbüchereien gut ausgestattet. Mit der Bibliothekskarte können Familien auf E-Books, Hörbücher und Zeitschriften zugreifen – etwa über Onleihe, PressReader oder TigerBooks.

Offen, kostenlos, zugänglich

Montagmorgens ist im KAP1 viel los. Beim Angebot „Digital – nicht egal“ lassen sich Senior:innen den Umgang mit Smartphone oder Tablet erklären – geduldig und kostenlos. Für viele bedeutet der Termin auch: rauskommen, Menschen treffen. „Wir verstehen uns als demokratischer Ort“, sagt Schwering. „Hier können Menschen ins Gespräch kommen, Meinungen austauschen und voneinander lernen.“ Täglich von 9 bis 21 Uhr geöffnet – das ist in Deutschland selten. Auch am Samstag von 9 bis 18 Uhr und am Sonntag von 11 bis 18 Uhr steht die Zentralbibliothek offen. „Kaum jemand steht in Düsseldorf vor verschlossenen Bibliothekstüren“, sagt Schwering. Einige Stadtteilbüchereien bieten sogar eine Open Library: Mit der Bibliothekskarte lässt sich die Tür der Stadtteilbücherei Unterbach auch ohne Personal öffnen. Vier andere Stadtteilbüchereien – Bilk, Eller, Gerresheim und Wersten – sind am Wochenende mithilfe eines Sicherheitsdiensts geöffnet. Für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis 21 ist die Bibliothekskarte kostenlos. „Das ist die Grundlage für Chancengleichheit“, so Stephan Schwering.

Ein Ort, der bleibt

Während die Zentralbibliothek das moderne Flaggschiff ist, spielen die Stadtteilbüchereien eine ebenso wichtige Rolle. „Ich nenne sie Orte für Menschen mit kleinem Radius“, sagt Schwering – für Kinder, die allein hinlaufen können, und für Senior:innen, die lieber im Viertel bleiben. In den kommenden Jahren sollen die Stadtteilbüchereien weiterentwickelt werden – zu Kulturzentren im Quartier, mit gemütlichen Aufenthaltsbereichen, noch mehr Veranstaltungen, Lesungen und Mitmachformaten. „Wir wollen, dass jede Bibliothek zum Wohnzimmer ihres Viertels wird“, so Schwering. Lesen, lernen, zuhören, diskutieren, verweilen – all das gehört heute zum Alltag in den Stadtbüchereien. Und wer an einem Sonntag im KAP1 sitzt und den Blick über die Lesenden und Lernenden schweifen lässt, merkt: Bibliotheken sind alles andere als altmodisch. Sie sind Herz und Hirn der Stadt – Orte, die Menschen verbinden und allen das geben, was sie brauchen: Zeit, Raum und die Freiheit, Neues zu lernen.

Im Mittelpunkt der Familie

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