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Gebrauchsanweisung zum Glück

„Wer unbedingt glücklich sein will, ist damit auf dem besten Weg, unglücklich zu werden“ lautet ein bekanntes Sprichwort. Die zwanghafte Jagd nach dem Glück steht demnach einem zufriedenen Leben eher im Weg. Aber sich damit zu beschäftigen, was einen glücklich macht, ohne verbissen nach dem einen großen Glück zu streben, hat Sinn. 

Kleiner Junge mit Einhorn-Haarreifen lächelt glücklich, im Hintergrund blauer Himmel

Laura Rüther

09.03.2026

Lesezeit 3 Minuten

Wer für sein Wohlbefinden, für sein persönliches Glücksempfinden verschiedene Facetten im Blick hat, kommt seinem Glück auch näher. Die kurzen Glücksmomente kennen wir alle und es ist verlockend, ihnen nachzulaufen, denn man bekommt sie gratis, schnell und es fühlt sich gut an. Dafür sorgen chemische Botenstoffe, die diese Glücksgefühle auslösen. Viele halten aber nur kurz an. Eine kurze Vorstellung der Glücksbringer im Gehirn: Endorphine – sie werden beispielsweise ausgeschüttet bei sportlichen Aktivitäten, bei alkoholisierten Rauschzuständen beim Feiern, aber auch ein Lachanfall kann die Ausschüttung von Endorphinen bewirken. Oxytocin ist auch als Kuschelhormon bekannt und kommt zustande durch engen Kontakt mit Menschen, die man gerne hat. Noradrenalin wird ausgeschüttet, wenn der Geist in einer wohltuenden Leistungsspanne ist. Wenn man konzentriert ist, vielleicht auch im Flow an einer Sache arbeitet, wie ein Sudoku lösen, einen Text schreiben oder wenn Kindern eine Legowelt erschaffen. Deswegen ist es auch ein großer Gewinn, einem Job nachzugehen, der einen in so einen Zustand versetzen kann. Serotonin ist das Hormon, das das Gefühl von Ausgeglichenheit mit sich bringt, beispielsweise eine Zeitschrift im Garten lesen. Auch beim Meditieren geht der ganze Organismus in einen ausgeglichenen und angstfreien Zustand. Ähnlich wie bei körperlichen Aktivitäten hebt sich die Laune, weil das Gehirn Serotonin und Endorphine ausschüttet. Dopamin ist ein Power-Botenstoff. Er wird auch Motivationsdroge genannt, er ist der Antrieb und sorgt für die Vorfreude.

Gemeinsame Familienrituale, um das Glückbarometer oben zu halten

Glücksmomente sammeln: Wir sammeln über das Jahr hinweg als Familie Glückmomente. Dazu nutzen wir kleine Zettel und geben sie in ein schönes Glas. Am Jahresende liest man gemeinsam die „Glückstücke“ durch. Denn Glück kommt oft überraschend, etwa bei einer schönen Wanderung, durch einen Witz, über den alle lachen und nicht mehr aufhören können oder durch ein unerwartetes Kompliment. 

Dankbarkeitsrituale etablieren: Zum Beispiel abends vor dem Schlafengehen gemeinsame fragen: Was war schön am Tag? Wofür bin ich dankbar?

Das Schönste ist doch, eine Speisekarte zu studieren und sich die Gerichte vorzustellen – wie die Vorfreude auf leckere Spinatknödel. Witzigerweise sinkt der Level des Spiegels direkt, wenn das Ereignis eintritt, also in diesem Fall, wenn die Knödel da sind. Was wir erwarten, macht uns glücklicher als das Ereignis selbst. Die Vorfreude auf Weihnachten oder den nächsten Urlaub, Flirten – ganz getreu dem Motto: „Vorfreude ist die größte Freude“. Leider ist das Glücksgefühl nur kurzweilig und nicht so unermesslich, wie man es sich vorstellt, wenn man ein großes Ziel erreicht – wie zum Beispiel den Mount Everest zu besteigen. Nicht wenige Sportler:innen haben sogar die größten Tiefs nach den beeindruckendsten Erfolgen.

Glücksfamilien

2002 erschien ein bemerkenswertes Buch über die Suche nach dem Glück. Bei „Hectors Reise“ lässt der Autor Francois Lelord seinen Protagonisten das Glück in verschiedene Familien einteilen. Familien des „beschwingten Glücks“ setzen auf Feiern, Alkohol, auf Reisen gehen, sexuelle Aktivitäten. Aber auch an einer Sache arbeiten, die einem Spaß macht, sei es im Beruf, Sport oder Garten, beschert Glück. Beim beschwingten Glück haben also die oben beschriebenen biochemischen Botenstoffe ein reges Spiel. Bei den Familien des „stillen Glücks“ geht es um Zufriedenheit und den Wunsch, dass diese weiter besteht. Sie bewahren Gelassenheit und sehen die Dinge auf ihre Weise. Es geht um Freundschaft, erwiderte Liebe und das Gefühl, nützlich zu sein. Bei den zweiten Familien spielen also weniger kurzzeitig wirkende Botenstoffe eine Rolle. Doch wie viel ist dabei Veranlagung und welche Rolle spielt die innere Haltung? Studien, die den Zusammenhang zwischen Genen und dem Glücklichsein untersuchen, gibt es zahlreiche. Grob kann man sagen, dass die Unterschiede zwischen Menschen in ihrer Zufriedenheit zu 30 bis 37 Prozent genetisch bedingt sind. Dann wird die Frage der Lebenssituation gerne diskutiert, denn wie soll man sich inmitten eines Krieges, in dem man im schlimmsten Fall Familienangehörige verloren hat, man weder Elektrizität noch ausreichend zu essen hat, als glücklich beschreiben? Und an der Armutsgrenze zu leben, macht das Leben auch deutlich schwerer. Die Ergebnisse einer Studie aus Harvard widersprechen aber der Annahme, dass materielle Dinge, Geld oder Erfolg im Beruf automatisch zu mehr Zufriedenheit führen. All das sei nicht unerheblich, schreiben die Forschenden, doch den Unterschied machten gute Beziehungen aus, in denen wir uns unterstützt und geschätzt fühlen. Und das unterstreicht wieder den dritten Punkt der Familie des stillen Glücks. Gute soziale Beziehungen, die das Gefühl von Verbindung und Zugehörigkeit vermitteln, machen glücklicher und gesünder.

Kleine Glücksmomente suchen

Was können die Kleinen von den Großen lernen?
- Vergleiche können Glück verhindern (Kinder sind Weltmeister im Vergleichen)
- starke Bindungen untereinander aufbauen und Freundschaftsbildung unterstützen
- sportliche Aktivitäten näherbringen
- Vorleben, dass man Sinn darin sieht, womit man viel Zeit verbringt
- Nützliches tun macht zufrieden

Und was können die Großen von den Kleinen lernen? 
- Im Moment sein: auch ohne Meditation und Achtsamkeitsübungen sind die Kids darin Spezialisten
- Sich anstecken lassen vom Lachen und vom übermäßigen Auskosten der Vorfreude
- Kuscheleinheiten erfragen

Im Mittelpunkt der Familie

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