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Mal Zeit …

Das Thema Essen begleitet uns durch das ganze Leben und es bedeutet weit mehr als die Zufuhr von Nährstoffen, Mineralien und Kalorien. Im besten Fall bringt es Genuss, Stärkung der Gesundheit und die Zusammenkunft am gemeinsamen Familientisch mit sich. Trotz eines großen Angebots an Ratgebern zu gesunder Ernährung hat es in der Mühle des Alltags etwas Beiläufiges bekommen. Möglichst ohne Aufwand zubereitet und schnell heruntergeschlungen, bleibt die Qualität immer öfter auf der Strecke.  

ein Kind isst Spaghetti und guckt in die Kamera

Andrea Vogelgesang

20.01.2026

Lesezeit 6 Minuten

Mit dem Thema Nahrung setzen sich besonders werdende oder junge Eltern bewusst auseinander, um ihren Nachwuchs optimal zu versorgen. Und das ist eigentlich nichts Neues. Seit Generationen wird auf das leibliche Wohl der Kinder geachtet, meistens waren es die Mütter und Großmütter, die sich freuten, ihre Kleinen mit gesundem Appetit ihre Suppe löffeln zu sehen. Wenn aber nicht, wurde früher auf Extrawünsche oder Vorlieben der Kleinen kaum eingegangen, nach dem Motto: Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt. 1844 vermittelte der Frankfurter Arzt und Psychiater Heinrich Hoffmann in seinem „Struwwelpeter“ eine klare Erziehungsbotschaft, indem er mit erhobenem Zeigefinger vor dem bitteren Ende von Essensverweigerern warnte. Von solchen Methoden ist man heute zum Glück weit entfernt und doch erscheinen angesichts zunehmender Essensauffälligkeiten im Kindes- und Jugendalter die aufgezeigten Folgen erschreckend realitätsnah.

Der Kaspar, der war kerngesund, ein dicker Bub und kugelrund …

Kugelrund ist längst kein Zeichen mehr für Gesundheit. Übergewichtig beziehungsweise zu dick oder zu dünn zu sein – Adipositas, Magersucht oder Bulimie manifestieren sich in unserer Zeit als Symptome eines gestörten Essverhaltens. Hier soll ein differenzierter Blick auf die bewusste Anlage guter Gewohnheiten für einen gesunden Umgang mit Ernährung geworfen werden, die bis ins Erwachsenenalter anhalten.

Morgenstund hat Brot im Mund

Mit dem englischen „break-fast“, dem spanischen „desayuno“ und dem französischen „petit-déjeuner“ drückt sich die Bedeutung des Frühstücks als tägliches bzw. nächtliches Fastenbrechen schon in der Wortwahl aus. Und wie es nach dem Fasten nun mal ist, auch wenn nur über Nacht: Der Körper verliert dabei Wasser und Energie. Kein Wunder, dass das Frühstück deswegen von so hoher Bedeutung ist, um diesen Verlust auszugleichen und die Basis für Kraft und Konzentration für den Tag zu legen. Unter der Woche allerdings fällt bei vielen Familien solch ein Start unter den Tisch. Mit Kindergarten- oder Schulkindern geht es in den Morgenstunden in der Regel drunter und drüber, und für die ersten Bissen am Frühstückstisch bleibt wenig, in manchen Fällen sogar keine Zeit. Der Trend zeigt, dass viele Menschen in der Hektik nicht nur für sich selbst, sondern auch für ihren Nachwuchs auf diese so wichtige Einstiegsmahlzeit verzichten. Anstelle mit einer Brotdose im Tornister gehen viele Jungen und Mädchen mit ein paar Euro in der Hand aus dem Haus, um sich unterwegs beim Bäcker oder am Schulkiosk ihr Frühstück selbst zu holen.

Nüchterne Ergebnisse

Der brotZeit-Vorstandsvorsitzende Hans-Jürgen Engler blickt sorgenvoll auf die Ergebnisse einer Studie zur Frühstücksversorgung von Kindern, die von der Firma Kellogg’s in Auftrag gegeben wurde. Die Dringlichkeit des Problems zeige sich insbesondere auch an den Angaben von 80 Prozent der befragten Lehrer:innen, die äußerten, dass viele ihrer Schüler:innen mit leerem Magen zum Unterricht erschienen. Besonders wichtig daran sei, dass 59 Prozent der Pädagog:innen beobachteten, dass ein fehlendes Frühstück bei den Jungen und Mädchen mangelnde Konzentration und Müdigkeit im Unterricht nach sich zöge. Kinder und Jugendliche hingegen, die gut gesättigt im Klassenzimmer erschienen, seien insgesamt leistungsfähiger und ihre Frustrationstoleranz liege höher, wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) betont. Das sieht auch Julia A., die als Grundschullehrerin in Bahnhofsnähe an einer sogenannten Startchancenschule arbeitet, wo ein Budget für Frühstück und Personal vorhanden ist. Die Türen der OGS-Räume stehen Kindern, die morgens mit knurrendem Magen erscheinen, ab 7.30 Uhr offen, wo sie mit einem Frühstücksangebot ihren ersten Hunger stillen können. Darüber hinaus wird hier, wie an vielen anderen Schule auch, an Elternabenden regelmäßig Aufklärungsarbeit geleistet. Zur Veranschaulichung werden in Klassenmails zudem Fotos von gesund gefüllten Brotdosen als Beispiele gegenüber dem Döner vom Vortag oder der Chipstüte im Tornister verschickt.

Ein gesundes Frühstück zu Hause und für die Pause

Auch wenn die Zeit in der Alltagsroutine am Morgen knapp ist, sollte also weder auf ein gesundes Frühstück zu Hause noch in der Pause verzichtet werden. Die bekannte Kinderernährungsexpertin und Autorin vieler Bücher zu gesunder Kinderernährung Dagmar von Cramm rät, das Frühstück schon am Vorabend vorzubereiten. Bei einem Müsli beispielsweise sei es besser, die Haferflocken einzuweichen, damit die darin enthaltene Phytinsäure, die die Aufnahme von Mineralstoffen behindere, neutralisiert werde. Auch das Obst zum Müsli könne kleingeschnitten über Nacht im Kühlschrank aufbewahrt werden. „Und die Nüsse – am besten Walnüsse – sowie Joghurt nicht vergessen. Solch ein Frühstück ist gesund und hält lange satt. Kindern macht das Mithelfen bei der Zubereitung Spaß und Appetit“, fügt Dagmar von Cramm hinzu.  Schulbrote könnten ebenso bereits am Vortag geschmiert, zum Beispiel mit Nussmus statt Butter und Gemüsesticks wie Paprika oder Möhren belegt werden. Gut in Frischhaltefolie verpackt, bleiben sie im Kühlschrank frisch. Auf diese Weise wird kostbare Zeit in den Morgenstunden gespart.

Mittagessen: Die Suppe aß er hübsch bei Tisch …

Laut einer Studie nehmen gerade mal vier von zehn Eltern nur selten die Mahlzeiten gemeinsam mit ihren Kindern ein, 10 Prozent gaben sogar an, nie mit ihrem Nachwuchs zusammen am Esstisch zu sitzen. In lediglich 20 Prozent der Familien werde regelmäßig gemeinsam gegessen. Genau das bemängelt auch Dagmar von Cramm. Sie weist darauf hin, dass heutzutage viel zu wenig Zeit miteinander am Tisch verbracht werde und der Kühlschrank den Herd als Mittelpunkt der Familie abgelöst habe. Jeder nehme sich etwas auf die Hand und esse zu seinen eigenen Zeiten. Das verführe auch zu unkontrolliertem Essen und steigere die Menge von Zwischenmahlzeiten, wodurch die Gefahr von Übergewicht zunehme, während kommunikative Situationen mit dem so wertvollen Austausch abnehmen würden. Demgegenüber geben Struktur und Rituale Kindern Halt und tun letztendlich allen Familienmitgliedern gut. Gemeinsame Mahlzeiten können im Fluss des Alltags zu kleinen Inseln der Auszeit werden, wenn Körper und Seele beim Austausch nicht nur die Nahrung, sondern auch Erlebnisse des Tages verdauen. Auch wenn der Alltag solch eine wohltuende Esskultur oft nicht zulässt (unter der Woche essen ungefähr 3,8 Millionen Schüler:innen in der Schule), können Abend- oder Wochenendmahlzeiten diese fehlende Zeit am Familientisch ausgleichen. Nicht zu unterschätzen ist dabei auch das Vorbild der Eltern. Kinder lernen am besten durch Nachahmung, so auch in Bezug auf das Essverhalten – und vorgelebte Rituale und ein Angebot an leckeren und gesunden Speisen prägen sich ein.  

Meine Suppe ess ich nicht!

Ein Aspekt bereitet vielen Eltern Kopfzerbrechen: Viele geben sich in der Küche Mühe, um abwechslungsreiche Mahlzeiten auf den Tisch zu zaubern, aber die Vorlieben der Kinder scheinen auf eine geringe Auswahl fixiert. Davon berichtet auch die junge Mutter Elizabeta: „Mein vierjähriger Sohn möchte am liebsten nur Nudeln mit Tomatensoße essen. Ich mogele immer wieder etwas Brokkoli oder Möhren mit auf den Teller, am Ende bleibt aber das Gemüse am Tellerrand liegen.“ Die Sorge dahinter liegt in der Frage, ob der Heranwachsende so überhaupt ausreichend mit wichtigen Inhaltsstoffen versorgt wird. Für die Ursache dieses Verhaltens hat die Ökotrophologin Paulina Neumann vom nls-Institut folgende Erklärung: „Kinder haben von Natur aus eine geschmackliche Neophobie (Angst vor Neuem) – neue Lebensmittel werden erst einmal abgelehnt. Einfache, bekannte Geschmäcker wie Brot sind sicher und werden von den meisten Kindern akzeptiert.“ Die Ernährungsexpertin gibt folgenden Rat: „Aber Form und Zubereitung können riesige Unterschiede machen: zum Beispiel kann Gemüse geröstet statt gedünstet, können rohe Sticks statt weichgekochte Möhren, Pesto aus Spinat, Brokkoli, Erbsen angeboten werden, um die Lust auf Neues anzuregen. Auch Obst in Form von Smoothies oder Mus kommt beim Nachwuchs gut an und versorgt perfekt mit Vitaminen.“ Dagmar von Cramm empfiehlt, schon im frühen Kindesalter, wenn sich der Geschmack entwickelt, die Kleinen immer wieder mal an verschiedene Richtungen zu gewöhnen, indem mal ein anderes Gemüse wie zum Beispiel Broccoli, Staudensellerie, Kohlrabi oder Kürbis nicht nur als Mix auf den Tisch kommt, sondern auch extra gedünstet als Knabbergemüse angeboten wird. „Wichtig ist das Ausprobieren – das erweitert langfristig den Schmeckhorizont“, kommentiert sie.  Auch leicht Gegartes und Püriertes oder Ofengemüse kommen gut an und sind schnell zubereitet. Da Kindern haptische Erfahrungen lieben, macht es ihnen besonders Spaß, in Soßen zu dippen, die schnell aus einem Joghurt mit Kräutern und Gewürzen zubereitet sind. Auch das steigert das Interesse an den Mahlzeiten.

Vegetarisch oder vegan bei Kindern 

Immer häufiger äußern Kinder von sich aus den Wunsch, auf Fleisch zu verzichten. Väter und Mütter sind sich unsicher, ob eine rein pflanzliche Ernährung auch gesund und bedarfsdeckend ist und alle notwendigen Nährstoffe enthält. Dagmar von Cramm, die unter anderem auch das Buch „Veggie for Family“ herausgegeben hat, weist darauf hin, dass vegetarische Kost in ihrer Vielseitigkeit unbedenklich, köstlich und pro-blemlos in den Alltag zu integrieren sei. Bei veganer Ernährung weist sie darauf hin, dass unbedingt Vitamin B 12 supplementiert und darauf geachtet werden sollte, dass die Kinder Nüsse, Saaten und Hülsenfrüchte essen und die Eltern gute Öle wie Raps-, Walnuss-, Soja- und Olivenöl verwenden. Außerdem sollten Pflanzendrinks wie Hafermilch mit Calcium angereichert sein. Kehren wir am Ende noch einmal zum Suppenkasper zurück: Die Botschaft ist drastisch und hat Generationen von Kindern Angst, aber bestimmt keinen Appetit gemacht. In diesem Sinne äußert Ökotrophologin Pauline Neumann vom nls-Ernährungsinstitut, dass es ganz wichtig sei, Kinder niemals zu zwingen. Druck führe langfristig zu noch stärkerer Ablehnung. Und das ist doch wirklich nicht nötig angesichts der vielfältigen Ideen und Möglichkeiten, mit Fantasie und Liebe seinem Nachwuchs das Essen schmackhaft zu machen.

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