Mit dem Thema Nahrung setzen sich besonders werdende oder junge Eltern bewusst auseinander, um ihren Nachwuchs optimal zu versorgen. Und das ist eigentlich nichts Neues. Seit Generationen wird auf das leibliche Wohl der Kinder geachtet, meistens waren es die Mütter und Großmütter, die sich freuten, ihre Kleinen mit gesundem Appetit ihre Suppe löffeln zu sehen. Wenn aber nicht, wurde früher auf Extrawünsche oder Vorlieben der Kleinen kaum eingegangen, nach dem Motto: Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt. 1844 vermittelte der Frankfurter Arzt und Psychiater Heinrich Hoffmann in seinem „Struwwelpeter“ eine klare Erziehungsbotschaft, indem er mit erhobenem Zeigefinger vor dem bitteren Ende von Essensverweigerern warnte. Von solchen Methoden ist man heute zum Glück weit entfernt und doch erscheinen angesichts zunehmender Essensauffälligkeiten im Kindes- und Jugendalter die aufgezeigten Folgen erschreckend realitätsnah.
Der Kaspar, der war kerngesund, ein dicker Bub und kugelrund …
Kugelrund ist längst kein Zeichen mehr für Gesundheit. Übergewichtig beziehungsweise zu dick oder zu dünn zu sein – Adipositas, Magersucht oder Bulimie manifestieren sich in unserer Zeit als Symptome eines gestörten Essverhaltens. Hier soll ein differenzierter Blick auf die bewusste Anlage guter Gewohnheiten für einen gesunden Umgang mit Ernährung geworfen werden, die bis ins Erwachsenenalter anhalten.
Morgenstund hat Brot im Mund
Mit dem englischen „break-fast“, dem spanischen „desayuno“ und dem französischen „petit-déjeuner“ drückt sich die Bedeutung des Frühstücks als tägliches bzw. nächtliches Fastenbrechen schon in der Wortwahl aus. Und wie es nach dem Fasten nun mal ist, auch wenn nur über Nacht: Der Körper verliert dabei Wasser und Energie. Kein Wunder, dass das Frühstück deswegen von so hoher Bedeutung ist, um diesen Verlust auszugleichen und die Basis für Kraft und Konzentration für den Tag zu legen. Unter der Woche allerdings fällt bei vielen Familien solch ein Start unter den Tisch. Mit Kindergarten- oder Schulkindern geht es in den Morgenstunden in der Regel drunter und drüber, und für die ersten Bissen am Frühstückstisch bleibt wenig, in manchen Fällen sogar keine Zeit. Der Trend zeigt, dass viele Menschen in der Hektik nicht nur für sich selbst, sondern auch für ihren Nachwuchs auf diese so wichtige Einstiegsmahlzeit verzichten. Anstelle mit einer Brotdose im Tornister gehen viele Jungen und Mädchen mit ein paar Euro in der Hand aus dem Haus, um sich unterwegs beim Bäcker oder am Schulkiosk ihr Frühstück selbst zu holen.
Nüchterne Ergebnisse
Der brotZeit-Vorstandsvorsitzende Hans-Jürgen Engler blickt sorgenvoll auf die Ergebnisse einer Studie zur Frühstücksversorgung von Kindern, die von der Firma Kellogg’s in Auftrag gegeben wurde. Die Dringlichkeit des Problems zeige sich insbesondere auch an den Angaben von 80 Prozent der befragten Lehrer:innen, die äußerten, dass viele ihrer Schüler:innen mit leerem Magen zum Unterricht erschienen. Besonders wichtig daran sei, dass 59 Prozent der Pädagog:innen beobachteten, dass ein fehlendes Frühstück bei den Jungen und Mädchen mangelnde Konzentration und Müdigkeit im Unterricht nach sich zöge. Kinder und Jugendliche hingegen, die gut gesättigt im Klassenzimmer erschienen, seien insgesamt leistungsfähiger und ihre Frustrationstoleranz liege höher, wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) betont. Das sieht auch Julia A., die als Grundschullehrerin in Bahnhofsnähe an einer sogenannten Startchancenschule arbeitet, wo ein Budget für Frühstück und Personal vorhanden ist. Die Türen der OGS-Räume stehen Kindern, die morgens mit knurrendem Magen erscheinen, ab 7.30 Uhr offen, wo sie mit einem Frühstücksangebot ihren ersten Hunger stillen können. Darüber hinaus wird hier, wie an vielen anderen Schule auch, an Elternabenden regelmäßig Aufklärungsarbeit geleistet. Zur Veranschaulichung werden in Klassenmails zudem Fotos von gesund gefüllten Brotdosen als Beispiele gegenüber dem Döner vom Vortag oder der Chipstüte im Tornister verschickt.