Hier kann ein Spaziergang zur Spurensuche werden – und ein Schlossbesuch zu einer Reise in andere Zeiten und Lebenswelten. „Bei uns kann man ganz, ganz viele verschiedene Sachen lernen, weil wir so verschiedene Sammlungen haben und ein Ort sind, wo man drinnen und draußen etwas machen kann“, sagt Lena Fazekas, die bei Schloss Benrath die Lernangebote für Kitas und Schulen verantwortet. Hier treffen Geschichte, Natur, Kunst, Mathematik und ökologische Fragen aufeinander –
und werden für Kinder unmittelbar erfahrbar. Rund 100 Schulklassen besuchen jedes Jahr Schloss Benrath und nutzen den Ort als Ergänzung zum Unterricht.
Geschichte zum Anfassen
Im Schloss geht es um höfisches Leben, fürstliche Kultur und das 18. Jahrhundert. Was im Schulbuch abstrakt bleibt, bekommt hier Räume und Perspektiven. Wo zeigt sich Macht in der Architektur? Wer durfte sichtbar sein – und wer nicht? Wichtig ist Fazekas dabei der Blick hinter die höfische Fassade: „Weg von dieser Perspektive des Adels und der Machtelite, hin zu denen, die eigentlich die ganze Arbeit getragen haben.“ Schloss Benrath erzählt eben nicht nur von Kurfürsten, Festen und schönen Räumen, sondern auch von Dienerschaft, Arbeit, Hierarchien und Ungleichheit. Besonders anschaulich wird das im unterirdischen Verbindungstunnel zwischen Wirtschaftsflügeln und Schloss. Was bedeutet es, wenn Personal möglichst unsichtbar bleiben soll?
Lernen durch eigenes Tun
Damit solche Fragen greifbar werden, setzt das Team der Bildung und Vermittlung auf Aktivität. Kinder schlüpfen in Rollen, spielen Szenen nach, zeichnen Räume, erkunden den Park, ordnen Museumsobjekte oder suchen geometrische Formen. „Man versteht etwas am besten, wenn man es selber macht“, sagt Lena Fazekas. Genau deshalb soll ein Besuch auch nicht wie Unterricht an einem anderen Ort wirken: Ein außerschulischer Lernort darf freier, sinnlicher und überraschender sein. Gerade im Schloss, wo viele Räume heute eher leer wirken, braucht es Fantasie. Erst wenn Kinder sich vorstellen, selbst Diener:in zu sein, verändert sich der Blick. Wer für Licht zuständig ist, sucht nicht nach dem Schalter, sondern nach Kerzen. Wie viele braucht man für einen großen Raum? Wie lange brennen sie? Solche Fragen entstehen fast von allein. Auch für jüngere Kinder gibt es passende Zugänge: Bei der Handpuppenführung nehmen Carl Theodor und Elisabeth Augusta Kita-Kinder mit auf eine Zeitreise. Figuren, Geschichten und Spiel machen einen historischen Ort lebendig.
Natur mitten in der Stadt
Zum Lernort Schloss Benrath gehört auch das Naturkundemuseum. Dort beschäftigen sich Kinder mit heimischen Tieren, Lebensräumen, Biodiversität und Artenschutz. Besonders bekannt ist die Vogelsammlung, aber auch Neubürger wie der Halsbandsittich, der in Düsseldorf längst zum Stadtbild gehört, spielen eine Rolle. Für Stadtkinder sei dieser Zugang besonders wichtig, sagt Lena Fazekas: „Gerade in städtischen Umgebungen ist es wichtig, eine Möglichkeit zu haben, sich damit zu beschäftigen.“ Viele Tiere seien zwar da – Fledermäuse, Maulwürfe, Vögel –, würden aber im Alltag kaum wahrgenommen. Wer hier genauer hinsieht, merkt: Natur beginnt nicht erst weit draußen auf dem Land, sondern direkt vor der eigenen Haustür. Im Programm „Museologik“ ordnen Grundschulkinder das Naturkundemuseum neu und gestalten eigene Dioramen. So lernen sie nicht nur etwas über Tiere, sondern auch darüber, was ein Museum tut: sammeln, ordnen, bewahren. Von Mai bis September wird zudem der Schlosspark zum Lernraum, etwa bei „Insektenjäger“ oder „Hidden Worlds“.
Digital und überraschend
Auch digitale Werkzeuge ergänzen das Lernen. Mit BIPARCOURS können Schulklassen, aber auch Familien, den Schlosspark als digitale Schnitzeljagd erkunden – mit eingesprochenen Texten, Aufgaben, Fotos und kleinen Videos. „Das kann auch jede Familie am Wochenende machen“, so Lena Fazekas. Überraschend ist auch der mathematische Blick aufs Schloss. Im Programm „Geometrie erleben“ suchen Kinder nach Symmetrien, Formen und Mustern. Denn der Architekt arbeitete sehr genau mit geometrischen Prinzipien. Mit Forscherheft und Entdeckerblick wird der Rundgang zur Spurensuche.
Mit neuer Neugier nach Hause
Neben Kita- und Schulprogrammen gibt es ein breites Angebot für Familien: Führungen wie „Kinder erleben das Schloss“, „Super-Tiere“ in Kooperation mit der Libelle oder „Wie schmeckt der Schlosspark?“, Ferienaktionen, Kindergeburtstage und Workshops. Dann wird Honig geschleudert, im Wasser gekeschert, mit Lego gebaut oder der Park mit allen Sinnen erkundet. Auch das Musikprogramm ist ein Geheimtipp – vom Babykonzert bis zum Adventssingen. Am Ende geht es Fazekas nicht nur um Faktenwissen. „Das Allerwichtigste ist, dass man Spaß hat.“ Denn ohne Freude funktioniere Lernen nicht. Kinder sollen neugierig werden, Lust bekommen, mehr zu wissen, wiederzukommen und weiterzufragen. Im besten Fall gehen sie aktiviert nach Hause: mit offenen Augen für Tiere im Park, mit neuen Fragen an alte Gebäude und mit einem anderen Blick auf das rosa Schloss am Weiher. Dann ist Schloss Benrath nicht mehr nur ein schönes Bild, sondern ein Ort, der Geschichten erzählt – wenn man lernt, genauer hinzusehen.