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Serie Pro und Kontra: Handy in der Grundschule?

Das Thema gewinnt zunehmend an Bedeutung und die Diskussion darüber wird breit geführt. Schlagworte wie Handysucht, Bildschirmzeit, Datenschutz und Cybermobbing beunruhigen viele Eltern. Auch an Düsseldorfer Schulen wird dazu viel diskutiert. Dabei sind gerade wir Eltern nahezu ständig online und müssen „nur noch schnell mal was am Handy checken“. Also meist kein gutes Vorbild. Kann man das digitale Leben also aus der (Grund-)Schule fernhalten? Was sind die Chancen bzw. Risiken, wenn Kinder Smartphones nutzen?

ein Junge guckt aufs Smartphone

Isabella Lacourtiade

16.07.2026

Lesezeit 3 Minuten

PRO

Digitales Lernmittel statt Objekt der Sehnsucht 

Das Motto gilt für meine Tochter hinsichtlich Handys, Mobilfunk-Nummern von Freundinnen, Apps, Klassenchats & Co. Und das, obwohl sie schon in der dritten Klasse ein kleines Smartphone bekommen hat. Meistens muss ich sie daran erinnern, es aufzuladen, einzupacken oder ab und zu mal ihre Nachrichten zu checken. Nachdem ihre SmartWatch meistens den Dienst verweigert hat, wenn man sie gebraucht hätte, haben wir Eltern uns relativ früh für ein Smartphone mit Prepaid-Guthaben entschieden. Es ging uns dabei vor allem um eine Notfall-Kontaktmöglichkeit zwischen Eltern und Kind und umgekehrt. Alleine den Schulweg meistern und sich dann von zu Hause melden, wenn Mama mal wieder länger arbeiten musste. Oder sich Nachrichten schicken, wenn Mama mal schnell los musste und Papa bei der Arbeit war. Die Verbindung übers Smartphone zu halten, ein Stück Sicherheit. Die Nutzung – für ein Corona-Kind kinderleicht. Sie ist Profi in Zoom, Teams, FaceTime oder im Umgang mit Spiele-Apps für Kinder. Dazu Video-Telefonie mit den Großeltern, Malstunden oder Treffen mit Freunden online. In der Grundschule kamen dann noch Lern-Apps dazu oder Keynote für erste Referate. Das Smartphone oder Tablet ist so kein Lustobjekt, sondern ein digitales Lernmittel. Fehlende Medienkompetenz sehe ich eher bei uns Eltern: zwei Smartphones pro Person, geschäftlich und privat, dauernd online, wegen Terminkalender, smarter Haussteuerung, Einkauf und Kontostand, dazu E-Mails, Social Media, Gruppen-Chats, und natürlich die Kamera ... Der größte Wunsch unserer Tochter für die Sommerferien: alle Geräte in eine Box und echte Familien-Zeit ohne Smartphones. So wie sie es auch aus der weiterführenden Schule kennt – da ist die Handynutzung auf dem Schulgelände verboten. Uns Eltern würde handyfreie Zeit sicher schwerer fallen, für unsere Tochter hat das Handy (noch) keinen Reiz, vielleicht, weil es früh verfügbar und nicht verboten war.

Porträt von Carolin Anselmann, im Hintergrund ein Park

Carolin Anselmann hat eine elfjährige Tochter, die sich vielleicht gerade wegen des offenen Umgangs und schlechten Vorbildern (bislang) überhaupt nicht für Smartphones interessiert.
 

KONTRA 

Handys sind in der Grundschule fehl am Platz  

Als Lehrkraft an einer Gesamtschule erlebe ich hautnah, wie stark Smartphones Aufmerksamkeit binden. Die Klassen 5 bis 7 dürfen bei uns ihre Geräte dabeihaben, sie müssen aber während der Schulzeit ausgeschaltet oder im Flugmodus sein. Ich erwische dennoch regelmäßig Schüler, die sich nicht daran halten oder sich zumindest damit schwertun. Und seien wir, auch als Eltern, ehrlich: Selbst wir greifen automatisch zum Smartphone, sobald es vibriert oder aufleuchtet. Von Grundschulkindern zu erwarten, dass sie damit souverän umgehen, halte ich für vermessen. Die Geräte lenken ab – nicht nur im Unterricht, sondern auch davor und danach. Auch für die Lehrkräfte ist es eine zusätzliche Belastung. Gespräche auf dem Schulhof und gemeinsames Spielen geraten in den Hintergrund, wenn das Handy schon morgens die Hauptrolle übernimmt. Zu Hause tut es das in den allermeisten Haushalten ohnehin bereits. Ein weiterer Punkt, der mir Sorge bereitet, ist die emotionale Belastung. Kinder im Grundschulalter haben noch kein gefestigtes Urteilsvermögen. Sie geraten schnell unter Druck, wenn Nachrichten in Klassenchats eintrudeln oder wenn Bilder und Videos geteilt werden, die sie überfordern. Cybermobbing beginnt oft viel früher, als wir denken. Ohne Handy gibt es weniger digitale Schauplätze, auf denen Konflikte eskalieren können. Natürlich ist digitale Bildung wichtig – aber dafür brauchen Kinder nicht zwangsläufig ein eigenes Smartphone. Medienkompetenz kann ab der dritten oder vierten Klasse gezielt vermittelt werden, ohne dass jedes Kind ein Gerät mitbringt, das Ablenkung, Leistungsdruck und soziale Vergleiche fördert. Die Schweden haben Handys in der Grundschule zugelassen, doch gesehen, dass es nicht funktioniert und sie wieder verboten. Zu sehr hatte sich die Lesekompetenz der Kinder verschlechtert. Das sollte uns ein warnendes Beispiel sein.

Porträt von Mustafa Görkem

Mustafa Görkem unterrichtet an einer Gesamtschule und ist Papa eines Sohnes, der in knapp zwei Jahren eingeschult wird.

Echte Medienkompetenz – wie geht das?

Der Wunsch nach einem eigenen Smartphone ist bei Kindern und Jugendlichen groß. Smartphones und Tablets bieten viele Funktionen, doch jede Anwendung bringt eigene Regeln und Risiken mit sich, die Kinder erst verstehen lernen müssen und bei denen Eltern sie sinnvoll begleiten sollten – was nicht immer einfach ist. Wie können Kinder und Jugendliche Smartphone, Internet, Online-Spiele und soziale Netzwerke sinnvoll nutzen? Die Initiative SCHAU HIN! hat das Ziel, Medienkompetenz niedrigschwellig zu stärken und Eltern Orientierung in der digitalen Welt zu geben – mit dem Leitgedanken: „Verstehen ist besser als Verbieten“. Erziehungsberechtigte finden hier alltagsnahe Informationen, Tipps und Beratung zu Themen wie Bildschirmzeiten, Apps, Social Media oder Online-Risiken. Außerdem gibt es konkrete Hilfen für den Familienalltag, etwa zu Regeln im Medienumgang, Jugendschutz oder altersgerechten Angeboten.

Gemeinsam smart starten

„Aber alle anderen haben doch schon ein Handy.“ Wie Eltern bei dieser Aussage und trotz Gruppendruck für eine möglichst smartphonefreie Kindheit eintreten können, zeigt die bundesweite Elterninitiative Smarter Start ab 14. Ziel ist es, Kinder vor den negativen Folgen zu früher Smartphone- und Social-Media-Nutzung zu schützen und gleichzeitig Eltern zu stärken, gemeinsam klare Regeln zu vereinbaren, damit kein Kind durch Verzicht zum Außenseiter wird. Im Mittelpunkt steht die Idee, dass sich Eltern vor Ort – etwa an Schulen oder in der Region – vernetzen und gemeinsam Entscheidungen zum Umgang mit Smartphones treffen. Dadurch soll sozialer Druck reduziert und eine neue „Norm“ geschaffen werden, in der ein später Einstieg ins Smartphone selbstverständlich wird. Die Initiative versteht sich als bundesweites Netzwerk mit lokalen Eltern-Communities, die sich austauschen, informieren und gemeinsame Absprachen treffen. Der Regionalgruppe Rheinland/Düsseldorf können Eltern einfach über Whats-App beitreten und sich dort austauschen. Spezielle Elterngruppen zum konkreten Austausch gibt es aktuell beispielsweise an der GGS Sonnenschule und der Werner-von-Siemens-Realschule.

Im Mittelpunkt der Familie

Seit mehr als 20 Jahren informieren wir Eltern, Großeltern und alle, die mit Kindern leben oder arbeiten über Neuigkeiten aus der Region, Veranstaltungen, Themen, Tipps und Angebote. Wir entdecken die Stadt und ihre Umgebung auch immer wieder neu – das Entdeckte teilen wir gerne mit euch.

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