PRO
Digitales Lernmittel statt Objekt der Sehnsucht
Das Motto gilt für meine Tochter hinsichtlich Handys, Mobilfunk-Nummern von Freundinnen, Apps, Klassenchats & Co. Und das, obwohl sie schon in der dritten Klasse ein kleines Smartphone bekommen hat. Meistens muss ich sie daran erinnern, es aufzuladen, einzupacken oder ab und zu mal ihre Nachrichten zu checken. Nachdem ihre SmartWatch meistens den Dienst verweigert hat, wenn man sie gebraucht hätte, haben wir Eltern uns relativ früh für ein Smartphone mit Prepaid-Guthaben entschieden. Es ging uns dabei vor allem um eine Notfall-Kontaktmöglichkeit zwischen Eltern und Kind und umgekehrt. Alleine den Schulweg meistern und sich dann von zu Hause melden, wenn Mama mal wieder länger arbeiten musste. Oder sich Nachrichten schicken, wenn Mama mal schnell los musste und Papa bei der Arbeit war. Die Verbindung übers Smartphone zu halten, ein Stück Sicherheit. Die Nutzung – für ein Corona-Kind kinderleicht. Sie ist Profi in Zoom, Teams, FaceTime oder im Umgang mit Spiele-Apps für Kinder. Dazu Video-Telefonie mit den Großeltern, Malstunden oder Treffen mit Freunden online. In der Grundschule kamen dann noch Lern-Apps dazu oder Keynote für erste Referate. Das Smartphone oder Tablet ist so kein Lustobjekt, sondern ein digitales Lernmittel. Fehlende Medienkompetenz sehe ich eher bei uns Eltern: zwei Smartphones pro Person, geschäftlich und privat, dauernd online, wegen Terminkalender, smarter Haussteuerung, Einkauf und Kontostand, dazu E-Mails, Social Media, Gruppen-Chats, und natürlich die Kamera ... Der größte Wunsch unserer Tochter für die Sommerferien: alle Geräte in eine Box und echte Familien-Zeit ohne Smartphones. So wie sie es auch aus der weiterführenden Schule kennt – da ist die Handynutzung auf dem Schulgelände verboten. Uns Eltern würde handyfreie Zeit sicher schwerer fallen, für unsere Tochter hat das Handy (noch) keinen Reiz, vielleicht, weil es früh verfügbar und nicht verboten war.