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Lernen zwischen Drachenbaum und Johannisbeere

Im Kuppelgewächshaus des Botanischen Gartens Düsseldorf wachsen Pflanzen aus aller Welt – ein Drachenbaum von den Kanarischen Inseln, blühender Eukalyptus, daneben der Natternkopf von Madeira, dessen Blüten sich von unten nach oben öffnen. Wer hier steht, merkt schnell: Es geht nicht nur darum, Pflanzen zu betrachten, sondern Zusammenhänge zu erkennen.

Die Glaskuppel des Botanischen Gartens der HHU Düsseldorf, im Vordergrund ein blauer Bauwagen

Claudia Giesen

23.04.2026

Lesezeit 3 Minuten

Genau hier setzt die Bildungsarbeit im Botanischen Garten an. Koordiniert wird sie unter anderem von Katrin Saran, die seit über zehn Jahren Führungen, Workshops und die Kinder-Uni begleitet. Ursprünglich hat sie visuelle Kommunikation studiert und sich auf Pflanzenillustration spezialisiert. „Wenn man etwas zeichnet, muss man wissen, worum es geht“, sagt sie. Dieses genaue Hinsehen prägt bis heute ihre Arbeit mit Kindern und Erwachsenen.

Wissen entsteht aus Beobachtung

Der Botanische Garten gehört zur Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und ist zugleich ein öffentlicher Ort für Spaziergänge, Ausflüge und Lernen außerhalb des Klassenzimmers. Schulklassen, Familien und Einzelbesucher:innen bewegen sich durch unterschiedliche Klimazonen, Nutz- und Apothekergärten, Wasserläufe und stille Bereiche. Für Schulklassen werden Führungen angeboten, bei denen Themen wie Ökologie, Evolution oder Systematik direkt an lebenden Pflanzen vermittelt werden. Im Nutzpflanzengarten lassen sich vertraute Lebensmittel in ihrer ursprünglichen Form entdecken. Katrin Saran erklärt dabei, wo unsere Nahrungspflanzen herkommen und wie eng ihre Geschichte mit der Entwicklung des Menschen verbunden ist. Auch für Vorschulkinder gibt es Angebote. Dabei steht die sinnliche Erfahrung im Mittelpunkt: fühlen, riechen, sehen – und manchmal auch schmecken. Lernen beginnt hier nicht mit Begriffen, sondern mit Wahrnehmung.

Fragen stellen dürfen

Ein zentraler Bestandteil der Bildungsarbeit sind Workshops in der kleinen Forschungsstation. Zehn Kinder können dort selbst untersuchen, sammeln und experimentieren. Die Themen wechseln – mal geht es um Wiesen, mal um essbare Pflanzen oder um Geheimnisse der Bäume. „Wir können auch nicht alle Fragen beantworten“, sagt Katrin Saran. „Aber wir geben den Kindern die Möglichkeit, selbst über Fragen nachzudenken.“ Diese Haltung prägt auch die Kinder-Uni, ein kostenloses Ferienangebot für Kinder zwischen acht und zwölf Jahren. Biolog:innen, Pädagog:innen und Illustrator:innen begleiten die Kinder. Gemeinsam werden Samen gesammelt, Knospen untersucht oder flugfähige Früchte verglichen. Oft nehmen die Kinder etwas mit nach Hause – etwa ein Herbarium, eine kleine Sammlung oder ein selbst gestaltetes Objekt. Große Themen wie Klimawandel und Artensterben spielen im Botanischen Garten eine Rolle, werden jedoch bewusst behutsam vermittelt. Saran berichtet, dass Kinder sehr sensibel auf bedrohliche Zukunftsbilder reagieren. Deshalb gehe es weniger darum, aufzuzählen, was alles schlecht laufe, sondern Zusammenhänge zu erklären. „Es hängt alles aneinander“, sagt sie. Pflanzen, Tiere und Menschen seien Teil eines Systems, das man sichtbar machen wolle. Ein Beispiel ist Totholz: Was aufgeräumt wirkt, ist nicht automatisch sinnvoll. In abgestorbenem Holz entsteht neues Leben. Solche Kreisläufe lassen sich im Garten beobachten und erklären.

Lernen braucht Unterstützung

Dass der Botanische Garten heute so vielfältige Bildungsangebote machen kann, ist keine Selbstverständlichkeit. Ein großer Teil dieser Arbeit wird durch Engagement möglich, das im Hintergrund oft unsichtbar bleibt. Die Kinder-Uni und viele weitere Programme werden vollständig durch den Freundeskreis des Botanischen Gartens finanziert. „Uns ist wichtig, dass die Angebote allen Kindern offen stehen“, erklärt Katrin Saran. Dass dieses Ziel erreicht wird, zeigt sich in der Zusammensetzung der Gruppen. Saran beobachtet, dass viele Familien mit Migrations- oder Fluchthintergrund die kostenlosen Angebote nutzen. Immer wieder seien Kinder dabei, „die bestimmte Pflanzen noch aus ihrem Heimatland kennen“ und ihr Wissen in die Gruppe einbringen. So wird der Botanische Garten zu einem Ort, an dem unterschiedliche Erfahrungen aufeinandertreffen und geteilt werden. Dabei unterstützen ehrenamtlich Engagierte die freien Mitarbeiter:innen ebenso wie das Team des Gartens – 
von der wissenschaftlichen Betreuung bis zur praktischen Umsetzung. Immer wieder bringen sich auch Professor:innen, Mediziner:innen und Wissenschaftler:innen der Universität ein, die aus persönlicher Überzeugung kurze Kurse oder Einheiten für Kinder anbieten – ganz ohne Honorar. Auch die Gärtner:innen teilen ihr Fachwissen und helfen, Pflanzen, Samen oder geeignete Standorte für die Bildungsarbeit nutzbar zu machen. Aktuell entsteht gemeinsam mit der Kustodin des Gartens eine Ausstellung zu den Bäumen des Botanischen Gartens, die wissenschaftliche Inhalte mit anschaulichen Illustrationen von Katrin Saran verbindet.

Ein Ort zum Entdecken

Auch ohne Führung ist der Botanische Garten ein Lernort. Wer mit offenen Augen unterwegs ist, entdeckt ungewöhnliche Bäume wie die Gurkenmagnolie oder die hängenden Blüten der Blumenesche. Im Bauerngarten reifen Johannisbeeren – anschauen ist ausdrücklich erlaubt, pflücken jedoch nicht. Die Mengen sind klein, der Garten sensibel. Zwischen Bänken, Wasserflächen und Inseln lässt sich verweilen. Wer leiser ist, sieht mehr: Vögel, Insekten, kleine Veränderungen am Boden. Lernen bedeutet hier nicht, möglichst viele Informationen mitzunehmen, sondern Aufmerksamkeit zu entwickeln.

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