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Kindsein ist der schönste Urlaub der Welt

Egal, wo unser Kolumnist mit seinen Jungs Halt machen, können die etwas, das wir im Alter oft verlernen: direkt ankommen. Keine imaginären Push-Notifications im Kopf. Sie sehen die 10-kg-Wassermelone und denken an Wassermelone. 

Illustration: ein Kind hält eine Melone in den Händen und hat eine Gedankenblase, in der eine Melone ist. Über der Melone ist eine Gedankenblase, in der das Kind ist.

David Ulc

03.11.2026

Lesezeit 2 Minuten

36 Grad, erfrischendes Essen und eine hitzige Diskussion zwischen meinen Jungs: „Das ist kein echter Urlaub“, sagt der Kleine. „Was redest du? Der Urlaub könnte nicht echter sein“, entgegnet der große Bruder. Man sagt ja, Urlaub sei Erziehung, nur woanders. Was ist da dran? Und wie kann es sein, dass drei Menschen Zeit so unterschiedlich empfinden?

Während die Vorfreude der Kinder schon Wochen vorher spürbar war, hakte ich meine Checkliste sauber im Kopf ab: check, check, check. Es wird schon alles dabei sein. Die Koffer fühlen sich jedenfalls so an. Mit dem Klatschen bei der Landung beginnen für die Jungs die Ferien. Während ich gedanklich schon bei der Autovermietung bin, füllen sich die Gesichter der Jungs mit Freude. Ich beneide sie darum. 

Vor uns liegt ein Sommerurlaub, der ganz ohne All-inclusive und Animationsprogramm auskommt. Die Art von Auszeit, die ich auch ohne Kinder machen würde. Abgesehen von der Playlist mit denselben drei Songs in Dauerschleife. Ein Glück, dass die Simone-Sommerland-Phase schon lange vorbei ist. 

Vater mit zwei Kindern im Aussichtsturm Look 360° Panorama über Oberkassel

Der Kolumnist

David Ulc lebt im Düsseldorfer Süden, hat zwei Kinder und ist alleinerziehend. Seine Kolumne ist ein persönlicher Blick auf Vaterschaft im Alltag – und darauf, wie sich sein eigenes Leben darin verändert.

Egal, wo wir Halt machen, die Jungs können etwas, das wir im Alter oft verlernen: direkt ankommen. Keine imaginären Push-Notifications im Kopf. Sie sehen die 10-kg-Wassermelone und denken an Wassermelone. Sie buddeln im Sand und denken an Sand. Sie stehen am Meer und denken ans Meer. Sie essen die beste Pizza und denken an die beste Pizza. Heute werden eben Heute-Dinge gemacht und morgen dann eben „Weiß nicht“-Sachen. Natürlich gab es auch Streit und Diskussionen darüber, wer jetzt wen zuerst komisch angeschaut hat. Denn Brüder hören im Urlaub ja nicht auf, Brüder zu sein. Doch genauso schnell sind sie gedanklich wieder da, wo sie fünf Minuten vorher noch waren.

Ich erzähle meiner Freundin am Telefon, wie viel Spaß die Kinder haben. „Kannst du auch etwas entspannen?“ Ich habe kurz gezögert …Diese paar Sekunden waren eigentlich schon Antwort genug. Irgendwann und irgendwo zwischen Granita, Badetieren und neuen Eindrücken hat es doch geklappt. Die Tage passieren und ich passiere mit.

Der Urlaub ist mittlerweile vorbei, die Koffer längst wieder im Keller verstaut. Die Erinnerungen hängen noch am Kühlschrank und in unseren Köpfen. Neulich frage ich meinen Sohn nach dem schönsten Erlebnis. Er zögerte keine Sekunde: „Das Essen am Strand.“ Es war eigentlich schon viel zu spät fürs Essen, ganze 40 Minuten hatten wir auf unsere To-go-Bestellung gewartet. Aber im Urlaub durfte die Zeit ausnahmsweise anders laufen. Wir saßen im Sand und haben den anderen Menschen beim Beachvolleyballspielen zugeschaut. 

Oft sind es die kleinen Dinge, die in unseren Gedanken den größten Platz einnehmen. Im Urlaub, aber auch im Rest des Jahres. Besonders jetzt, wo Sonnencreme gegen Schal und Mütze eingetauscht wird und Weihnachtsmarkt statt Freibad ansteht, ist es wieder an der Zeit, im Moment zu leben. Falls ich verlernt habe, wie’s geht, habe ich ja zwei Experten im Haus.

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