Die Möglichkeiten, seine Freizeit auf oder im Wasser zu verbringen, sind so vielfältig wie verwirrend: rudern, paddeln, Stand-up-Paddling, surfen, segeln … Fangen wir von hinten an: Segeln kennen die meisten – macht man in einem Boot, man braucht dazu Wind und Segel. Beim (Wind-)Surfen steht man auf einem Brett und hat das Segel in der Hand. Wellenreiter stehen auch auf Surfbrettern, nutzen aber nur die Energie der Wellen, um sich fortzubewegen – klappt nicht am Unterbacher See, so viel ist sicher. Stand-up-Paddeln aber schon: Dabei steht man auf einem Board und hat ein Paddel in der Hand. Bleiben noch rudern und paddeln: Während man beim Rudern meist gegen die Fahrtrichtung mit mehreren in einem Boot sitzt, das man mit Skulls (ein Mensch, zwei Ruder) oder Riemen (ein Mensch mit beiden Händen nur zu einer Seite) bedient, ist man beim Paddeln in der Regel allein im Boot und schaut dabei in Fahrtrichtung. Meist sitzt man dabei mit leicht angewinkelten Beinen in einem Kajak und führt sein Doppelpaddel abwechselnd rechts und links ins Wasser, oder man kniet oder sitzt in einem Kanu, das mit einem Stechpaddel angetrieben wird.
Ab welchem Alter?
Bei begeisterten Paddler:innen sind die Kinder von Anfang im Boot – sie sitzen dann einfach im Zweier-Kajak vorn mit dabei. „Bei unserer Vorsitzenden Anna saß das Kind schon VOR der Geburt mit im Boot, und jetzt, mit fünf Jahren, fährt sie schon allein“, erzählt Rüdiger Aymanns von den Wikinger Kanufreunden in Himmelgeist. Wer aber noch gar keine Berührungspunkte mit dem Paddelsport hatte, sollte für einen guten Start auf jeden Fall sicher schwimmen können, keine Berührungsängste mit Wasser haben, und außerdem in der Lage sein, sich selbst zu organisieren – etwa beim Umziehen oder wenn es darum geht, seine Wechselklamotten ins richtige Auto zu legen. Sowohl Eva Walla von den traditionsreichen Freien Wasserfahrern Volmerswerth (der Verein feierte 2021 sein hundertjähriges Jubiläum) als auch Rüdiger von den Wikinger Kanufreunden geben ein Alter von neun bis zehn Jahren an – die Freien Wasserfahrer verorten „gut schwimmen“ beim Bronze-Abzeichen.
Wie gelingt der Einstieg?
In der kalten Jahreszeit üben die Paddler im Rheinbad. Die Wikinger Kanufreunde starten sonntags am Nachmittag gemeinsam bei ihrem Vereinshaus in Himmelgeist, verladen die Boote, und fahren gemeinsam ins Bad. Dort braucht man nur mehr Badesachen und ein T-Shirt, alles andere stellt der Verein. In der warmen Jahreszeit beginnt man mit Anfängern auf dem Rhein, aber keine Sorge: „Wir bleiben erst einmal zwischen den Buhnen“, versichern beide Vereine. „Kinder lernen anders als Erwachsene – aber sowohl Kindern als auch Erwachsenen erklären wir erst einmal die grundsätzlichen Dinge, bevor es losgeht. Und nicht wundern: Zu Beginn freut man sich schon, wenn man dann irgendwann geradeaus fahren kann. Zu Beginn dreht man sich erfahrungsgemäß im Kreis, weil ein Wildwasserkajak nicht lang ist!“, lacht Rüdiger.
Vorteile des Sports
Sowohl Eva Walla als auch Rüdiger Aymanns haben schon als Kinder mit ihren Eltern gepaddelt – womit vor allem gesagt werden soll, dass dieser Sport sehr gut gemeinsam als Familie betrieben werden kann. Können Kinder und Eltern zusammen anfangen? „Klar“, sagt Rüdiger von den Wikingern. „Wobei Kinder und Erwachsene aber andere Zugangsweisen haben, deshalb sind sie in unterschiedlichen Gruppen. Und irgendwann wollen die Kinder auch ihr Ding machen, wenn sie älter werden.“ Sowohl die Wikinger Kanufreunde in Himmelgeist als auch die Freien Wasserfahrer in Volmerswerth verstehen sich als Breitensport-Verein, der Spaß an der Freude steht im Vordergrund. „Ich mag am Paddeln, dass man die Landschaft ganz anders erlebt auf dem Wasser. Man kommt an Orte, die man sonst nicht sehen würde. Und man ist viel draußen“, erzählt Rüdiger. Welche Muskelgruppen genau angesprochen werden, könnte er gar nicht genau beschreiben, fest steht nur: Man paddelt aus den Schultern, nicht aus den Armen.
Herausforderungen und Wettkämpfe
„Anfänger finden die Vorstellung, irgendwann kopfüber unter Wasser im Kajak zu hängen, ziemlich schrecklich. Aber wir üben natürlich, wie man aus dem Boot wieder rauskommt!“, versichert Rüdiger. Wer irgendwann Lust auf coole Wildwassertouren bekommt, muss weite Anreisen in Kauf nehmen, gibt Eva Walla zu bedenken: „Wir fahren dafür in den Süden oder nach Österreich und haben auch im Familienurlaub unsere eigenen Boote mit.“ Für den Anfang sollten aber auch die Touren auf der Erft reichen, die die Wikinger Kanufreunde in der warmen Jahreszeit einmal pro Woche anbieten. „Dort gibt es auch eine kleine Trainingsstrecke“, erzählt Rüdiger. „Grundsätzlich ist die Erft ein bisschen anspruchsvoller als der Rhein.“ Als reine Breitensport-Vereine nehmen weder die Freien Wasserfahrer noch die Wikinger Kanufreunde an Wettkämpfen teil. „Es gibt allerdings Formate, bei denen kann man sich ein bisschen ausprobieren, etwa beim Kajak Cross“, meint Rüdiger. „Unser Verein bietet das derzeit nicht an – Touren für unterschiedlichste Niveaus aber schon.“