In Oberbilk soll ein neues, niedrigschwelliges Suchthilfezentrum in der Eisenstraße 49 entstehen, darunter ein Drogenkonsumraum, Aufenthalts- und Rückzugsbereiche, medizinische Versorgung sowie sozialarbeiterische Begleitung. Das Vorhaben ist Teil des Projekts „SiBu – Sicherheit im Bahnhofsumfeld“, mit dem die Stadt Düsseldorf die offene Drogenszene aus dem öffentlichen Raum in dezentrale Einrichtungen verlagern will.
Kritik an der Standortwahl
Das Gebäude grenzt unmittelbar an das Lessing-Gymnasium und liegt in der Nähe weiterer Schulen und Kindertagesstätten. Aus dieser Nachbarschaft hat sich eine Bürgerinitiative gebildet, die von der Schulleitung und Schulpflegschaft des Lessing-Gymnasiums unterstützt wird. Eine von der Initiative gestartete Online-Petition gegen den Standort sammelte im Frühjahr 2026 mehr als 1800 Unterstützerinnen und Unterstützer.
Die Kritik richtet sich dabei ausdrücklich nicht gegen die Suchthilfe an sich: Die Notwendigkeit von Suchthilfe, medizinischer Versorgung und niedrigschwelligen Unterstützungsangeboten für drogenabhängige Menschen wird von den Kritiker:innen nicht infrage gestellt. Im Mittelpunkt der Bedenken steht allein die Frage, ob der konkrete Standort Eisenstraße angesichts der unmittelbaren Nähe zu Schulen und Kitas geeignet ist.
Bei mehreren Informationsveranstaltungen der Stadt – unter anderem am 3. Februar und 12. März 2026 in der Volkshochschule – kamen jeweils mehrere hundert Anwohnerinnen, Anwohner sowie Eltern von Schulkindern zusammen, um ihre Sorgen vorzutragen. Genannt wurden dabei vor allem mögliche Auswirkungen auf das Umfeld, etwa An- und Abreisebewegungen, Aufenthalte in der Nähe der Einrichtung sowie Fragen zum Jugendschutz. Besondere Kritik löste zudem die Überlegung aus, innerhalb der Einrichtung einen sogenannten Mikrohandel – die Weitergabe kleiner Drogenmengen – zu tolerieren.
Konzept der Stadt
Die Stadt und die beteiligten Träger, darunter die Drogenhilfe Düsseldorf, Axept und fiftyfifty, begründen die Standortwahl unter anderem mit der zentralen, gut erreichbaren Lage in der Nähe des Hauptbahnhofs. Nach ihrer Erfahrung – auch aus anderen Städten – würden Hilfsangebote am Stadtrand von den Betroffenen kaum angenommen. Das Konzept sieht zudem ein Umfeldmanagement vor: Ordnungsamt und Polizei sollen mit regelmäßiger Präsenz für Sicherheit und Sauberkeit im Nahbereich sorgen, Streetworkerinnen und Streetworker sollen Betroffene im Umfeld der Einrichtung ansprechen und an die Angebote vermitteln. Bauliche Maßnahmen wie eine Sichtabschottung zur Nachbarschaft sind ebenfalls geplant; der an das Lessing-Gymnasium angrenzende Hof des Gebäudes soll nach Angaben der Stadt nicht genutzt werden.
Für das Projekt liegt nach Angaben der Stadt bereits eine politische Zusage von mindestens 3,3 Millionen Euro vor. Vor der Eröffnung ist ein Tag der offenen Tür sowie die Möglichkeit für Schulen und Anwohnerschaft geplant, um das Gebäude und Gelände vorab zu besichtigen.
Offene Fragen
Die Bürgerinitiative sieht nach eigenen Angaben weiterhin zentrale Fragen als ungeklärt an – etwa zu einer schriftlichen Jugendschutz-Risikoabwägung, zur langfristigen Finanzierung des Umfeldmanagements, zu Alternativstandorten sowie zum aktuellen Stand des Genehmigungsverfahrens. Nach Darstellung der Initiative habe das zuständige Landesministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW im Juni 2026 mitgeteilt, dass für den Standort Eisenstraße bislang kein Genehmigungsantrag vorliege.