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Highlight des Jahres

Wie reisen Familien heute? Wir fragen nach bei Prof. Dr. Reinhardt. Er muss es wissen, denn als Zukunftswissenschaftler und wissenschaftlicher Leiter der Stiftung fĂŒr Zukunftsfragen in Hamburg beschĂ€ftigt er sich mit dem Reiseverhalten und den ReisewĂŒnschen von Familien.

Ein Junge und ein MĂ€dchen am Strand, in HandtĂŒcher gehĂŒllt, grinsen in die Kamera, im Hintergrund Meer

Eva RĂŒther

08.07.2024

Lesezeit 3 Minuten

„Urlaub ist und bleibt ein Statussymbol“, sagt Professor Dr. Ulrich Reinhardt. Familien verzichten eher auf die neue Couch als auf einen gemeinsamen Urlaub. „Die Tendenz gegenwĂ€rtig ist, dass Familien möglichst viel erleben und das dann auch per WhatsApp oder in anderen sozialen Medien mitteilen wollen.“ Neidfaktor inklusive. „Dabei wĂŒrde ich mir wĂŒnschen, dass es viel anerkannter ist zu sagen, dass ich im Urlaub auf Balkonien endlich Zeit hatte, ein Buch zu lesen und mich so richtig zu erholen.“ ZusĂ€tzlich sind die AnsprĂŒche an den Urlaub immens hoch: Oft wollen Frauen aus dem klassischen Modell raus und eben nicht jeden Tag kochen mĂŒssen, erwarten von den VĂ€tern, sich jetzt auch mal um die Kinder zu kĂŒmmern, die Tage sollen spannend sein, Sex und Erotik dĂŒrfen auch nicht zu kurz kommen, spektakulĂ€re AusflĂŒge mĂŒssen sein 
 die WĂŒnsche sind vielseitig. „Viele Eltern sagen auch: Jetzt will ich auch mal Zeit fĂŒr mich und uns haben und hoffen dann, dass sich der Kinderclub um den Nachwuchs kĂŒmmert“, so erlĂ€utert der Hamburger Experte weiter. Deshalb bieten selbst Bauernhöfe nicht mehr nur das „KĂŒhestreicheln“ an, sondern Mountainbiketouren, Schluchtenspringen und Lagerfeuer mit Stockbrot.

Jeder darf bestimmen

NatĂŒrlich soll jeder und jede im Urlaub etwas fĂŒr sich selbst herausholen, doch letztlich gehe es im Familienurlaub doch hauptsĂ€chlich um die StĂ€rkung des Zusammenhalts und die Gemeinsamkeiten. Deshalb schlĂ€gt Professor Reinhardt zum Beispiel vor, dass jeder einen Tag im Urlaub bestimmen darf: An einem Tag gibt’s Pommes, dafĂŒr dĂŒrfen die Kinder nicht nörgeln, wenn die Eltern am nĂ€chsten Tag zwei Stunden in Ruhe essen gehen wollen. An einem Tag geht’s ins Museum, am anderen Tag steht nur Fußballspielen an. Das ist demokratisch und nimmt jeden in der Familie ernst. „Historisch gesehen hat sich das Reiseverhalten von Familien natĂŒrlich stark verĂ€ndert“, sagt Reinhardt. WĂ€hrend in den 1950er- und 60er-Jahren in den Ferien die Verwandtschaft besucht wurde, fand Urlaub dann bis in die 80er-Jahre vorrangig in Deutschland statt. Es folgen Busfahrten ĂŒber den Brenner, nach Spanien. „NatĂŒrlich waren Autoreisen beliebt, aber gerade das Reisen mit dem Bus, zum Beispiel an die Costa Brava oder Adria, nutzten viele Familien.“

Urlaub immer kĂŒrzer

GrundsĂ€tzlich gehört der dreiwöchige Urlaub der Vergangenheit an. „In jedem Jahrzehnt hat die Dauer des Urlaubs um zwei Tage abgenommen“, weiß Professor Dr. Ulrich Reinhardt. Familien verreisen eher zehn Tage. Heute komme neben dem Haupturlaub, der ĂŒbrigens immer noch am liebsten am Meer verbracht werde, auch mal ein verlĂ€ngertes Wochenende hinzu. „Es gibt so viele Möglichkeiten, das Geld auszugeben, doch der Urlaub gilt nach wie vor als das Highlight, auf das hingefiebert und hingespart wird. Urlaub gilt als die populĂ€rste Form des GlĂŒcks.“ Wer weniger Geld zur VerfĂŒgung hat, verreist in Deutschland. Allerdings: „Seit der Wiedervereinigung wurden Hotels immer hochwertiger gebaut, saniert, umgebaut. Dadurch gibt es viel weniger Zwei- oder Drei-Sterne-Hotels oder einfachere UnterkĂŒnfte als frĂŒher; damit wird eine Zielgruppe leider fast ausgeschlossen.“ 

Großeltern reisen mit

Einen weiteren Trend stellt Reinhardt fest: Großeltern verreisen gern mit ihren Enkeln. „Ich glaube sogar, dass wir bald als Großfamilien Urlaub machen werden. Und ich meine, dass sich kĂŒnftig auch aus ökologischen und wetterbedingten GrĂŒnden das Reisen verĂ€ndert: Dann machen wir doch im eigenen Land Urlaub und die Erholung steht an erster Stelle.“ Das könnte nĂ€mlich heißen: Uhr ablegen, Handy weg, FrĂŒhstĂŒck verschlafen und die Zeit vergessen. Wer im Urlaub zu Hause bleibt, sollte nĂ€mlich nicht mit liegen gebliebenen Arbeiten beginnen – sonst werden diese freien Tage nicht erholsam sein. Dennoch: Urlaub bildet, gibt neue EindrĂŒcke, wir wollen unseren Kindern ja gemeinsame neue Erlebnisse bieten. Letztendlich soll jeder und jede so reisen, wie es zur Familie passt. Aber vielleicht könnten wir unsere Erwartungen etwas runterschrauben, damit der Urlaub auch wirklich das Highlight des Jahres wird? Übrigens: Wer ganz zu Hause bleiben will oder muss, weiß ja, dass die StĂ€dte gerade in den Sommerferien ein unglaublich großes Angebot mit vielen Projekten und Action anbieten.

PortrÀt von Professor Dr. Ulrich Reinhardt

Urlaubsforschung

Die Forschungsschwerpunkte von Professor Dr. Ulrich Reinhardt umfassen unter anderem den gesellschaftlichen Wandel, die Arbeits- und Europaforschung sowie das Freizeit-, Konsum- und Tourismusverhalten der Deutschen. Er hat viele BĂŒcher geschrieben; unter anderem die „34. Deutsche Tourismusanalyse“. Reinhardt ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Im Mittelpunkt der Familie

Seit mehr als 20 Jahren informieren wir Eltern, Großeltern und alle, die mit Kindern leben oder arbeiten ĂŒber Neuigkeiten aus der Region, Veranstaltungen, Themen, Tipps und Angebote. Wir entdecken die Stadt und ihre Umgebung auch immer wieder neu – das Entdeckte teilen wir gerne mit euch.

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