WĂ€hle deine persönlichen Lebensstufen. Wir versuchen dir nur die Inhalte anzuzeigen, die fĂŒr dich gerade zutreffend sind.

Seiteninhalt
Seiteninhalt
Keine Zeit zum Durchatmen

Jessica ist 42 und Lehrerin in DĂŒsseldorf. Heute sind ihre Kinder zwölf und 14 Jahre alt. Sie ist seit zehn Jahren alleinerziehend. „Eigentlich war ich schon lĂ€nger gedanklich aus der Beziehung raus. Aber ich wollte sicher sein, dass ich uns auch alleine versorgen kann, bevor ich gehe.“ 

PortrĂ€t von Jessica, Hintergrund grĂŒnes GebĂŒsch

Juliane Faller

15.05.2024

Lesezeit 2 Minuten

Jessica ist aus eigenem Entschluss heraus alleine mit ihren Kindern. Der Vater der Kinder hat keinen Kontakt mehr zu ihnen. Nachdem sie ein paar Jahre in der NĂ€he des Vaters geblieben ist, merkte sie, dass das auch nichts an dem Interesse und VerhĂ€ltnis verĂ€ndert, und entschloss sich, fĂŒr sich und die Kinder einen Neuanfang zu starten, und zog nach DĂŒsseldorf. Ihre Eltern sind verstorben, die Schwiegereltern sind auf Wunsch des Vaters hin eher zurĂŒckhaltend mit der Kontaktaufnahme. „Ich bin wirklich vollkommen alleinerziehend. Ohne Partner und ohne familiĂ€re Anbindung. Aber zum GlĂŒck haben wir viele Freunde in DĂŒsseldorf“, erzĂ€hlt Jessica. 

Zu wenig BerĂŒcksichtigung

Ihr war es wichtig, dieses Interview zu fĂŒhren, weil Alleinerziehende ihrer Meinung nach deutlich zu wenig BerĂŒcksichtigung in politischen Entscheidungen finden. „Ich werde bei der Steuer zum Beispiel Ă€hnlich berĂŒcksichtigt wie ein verheiratetes Paar, was Unsinn ist, denn ich habe ja niemanden, mit dem ich mir die Kosten teile.“ Kinderkrankentage bekommt sie auch nicht, weil sie als verbeamtete Lehrerin in der privaten Krankenversicherung sein muss. Es gibt einen Sonderurlaub, aber der reicht fĂŒr zwei Kinder bei Weitem nicht aus. „Ich fĂ€nde es zum Beispiel auch wichtig, dass bei Angeboten wie den DĂŒsselferien die PlĂ€tze fĂŒr diejenigen, die einen wirklichen Betreuungsbedarf haben, einen Tag vorher freigeschaltet werden. Übrigens macht es meiner Meinung nach da auch einen Unterschied, ob der alleinerziehende Elternteil wieder mit einem Partner zusammenlebt.“ Auf die Frage hin, ob sie mal das BedĂŒrfnis hatte, einen neuen Partner zu haben, erklĂ€rt Jessica: „Wir haben hier zu dritt ein gut funktionierendes System. Wenn da jetzt jemand von außen reinkommt, dann ist das erst einmal ein Störfaktor. Es brĂ€uchte Zeit und Energie, einen Partner in diese Familie zu integrieren, und beides habe ich gerade einfach nicht ĂŒber.“ Dann erzĂ€hlt Jessica, wie krĂ€ftezehrend es ist, sich alleine um alles zu kĂŒmmern. Angebote wie GesprĂ€chskreise fĂŒr Alleinerziehende sind fĂŒr sie undenkbar, denn sie hat keine freie Minute. Arbeit, Mittagessen, Hausaufgaben, NachmittagsaktivitĂ€ten, Haushalt und alles, was sonst noch dazugehört. Jeden Monat die Hoffnung, dass alles lĂ€uft. Es ist keine Zeit zum Krankwerden, denn dann ist da keiner, der sich kĂŒmmert. „Oft merke ich eine große Erschöpfung. Aber dann heißt es, nicht lange drĂŒber nachdenken und weitermachen. Manchmal habe ich das GefĂŒhl, noch nicht einmal in Ruhe atmen zu können.“ Dennoch ist Jessica davon ĂŒberzeugt, vor zehn Jahren die richtige Entscheidung getroffen zu haben: „Das hat ja auch etwas mit AuthentizitĂ€t zu tun. Mir war dabei ganz wichtig, was ich meinen Kindern vorlebe. Ich wollte, dass sie sehen, dass man eben nicht in einer Situation verharren muss, in der man dauerhaft unglĂŒcklich ist.“

Im Mittelpunkt der Familie

Seit mehr als 20 Jahren informieren wir Eltern, Großeltern und alle, die mit Kindern leben oder arbeiten ĂŒber Neuigkeiten aus der Region, Veranstaltungen, Themen, Tipps und Angebote. Wir entdecken die Stadt und ihre Umgebung auch immer wieder neu – das Entdeckte teilen wir gerne mit euch.

Diese Seite verwendet Cookies.

Bitte erlauben Sie den Einsatz von Cookies, damit Sie diese Seite in vollem Funktionsumfang nutzen können.

Speichern Abbrechen Ok, einverstanden Tracking ablehnen