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Gemeinschaft, Natur und schönes Wohnen

Als sie sich das ehemalige Rittergut Mydlinghoven 2016 zum ersten Mal ansah, war sie ĂŒberwĂ€ltigt. „Diese Schönheit, diese Natur“, sagt Annette Lenk – „das hat mich weggeflasht, und ich wusste sofort: Bei diesem Projekt will ich mitmachen.“

Junge auf HĂ€ngematte, im Hintergrund eine große Wiese mit BĂ€umen, herbstlich

Tina Lorscheidt

28.02.2023

Lesezeit 3 Minuten

Seit 2016 wohnen hier generationenĂŒbergreifend Familien, Alleinstehende, Senior:innen in einer Cohousing-Gemeinschaft. In mehr als 40 Wohneinheiten organisieren sie ihr privates und gemeinsames Leben. Annette Lenk war von Anfang an dabei. „Ich war gerade getrennt und wohnte noch in Gerresheim, mein Sohn Ben war damals anderthalb“, erinnert sie sich. Sie hatte von dem geplanten Wohnprojekt gehört und war sofort begeistert. „Ich hatte TrĂ€nen in den Augen“, sagt sie, „weil es hier so schön ist, und ich wusste sofort: Gemeinschaft, Natur und schönes Wohnen – das will ich machen. Schon lange vorher hatte ich mir vorgestellt, dass ich am liebsten mit meinen Freundinnen und Freunden so einen Hof haben wĂŒrde, jeder mit eigener Wohnung und eigenem Leben, und abends treffen sich alle gemeinsam.“ 70 Erwachsene und 30 Kinder im Alter von null bis 90 Jahren leben inzwischen auf den 1500 Quadratmetern GemeinschaftsflĂ€che mitten in einem Naturschutzgebiet vor den Toren DĂŒsseldorfs. Annette Lenk kannte niemanden vorher und wusste noch nicht, was auf sie zukommt, war aber ĂŒberzeugt, dass dieses Wohnprojekt fĂŒr sie und ihren Sohn das Beste sei, was sie Ben anbieten könnte. Ben erkennt alle Mitbewohner:innen inzwischen allein an ihren Stimmen, wenn sie an der Wohnung von ihm und seiner Mutter vorbeigehen. „Wir zogen hier ein, nur mit einem Traum im Herzen“, sagt sie. „Das war ein Weg, der fĂŒr alle Beteiligten neu war. Ich finde, das ist uns hier alles richtig gut gelungen. Das Leben hier ist wie in einem kleinen Land. Es gibt viele Regeln, und das ist gut so, denn im Zusammenleben mĂŒssen Dinge geregelt und ZustĂ€ndigkeiten festgelegt werden, damit man weiß, was zu tun ist, wenn mal etwas nicht funktioniert. So entwickelt sich ein Projekt. Ich selbst bin eher der Chaos-Typ und finde es toll, wie alles nach und nach immer besser organisiert wird.“

Klare Strukturen

Das Projekt ist unter dem Namen „wir vom Gut“ genossenschaftlich organisiert, dafĂŒr wird alle drei Jahre ein mehrköpfiger Aufsichtsrat gewĂ€hlt, der wiederum bestimmt alle zwei Jahre einen Vorstand fĂŒr die GeschĂ€ftsfĂŒhrung. Das Zusammenleben wird in Arbeitsgruppen und Arbeitskreisen organisiert, diese Arbeitsgruppen wĂ€hlen aus ihrer Mitte eine Sprecherin oder einen Sprecher und bilden zusammen den Beirat. Der Beirat setzt sich regelmĂ€ĂŸig mit dem Vorstand zusammen, sodass alle Interessen vertreten sind. Einmal monatlich kommt die gesamte Gemeinschaft im Plenum zusammen. „Ich bin im Arbeitskreis GĂ€stezimmer“, sagt Annette Lenk, „und wenn da etwas besprochen werden muss, stellen wir es im Plenum vor, und die Gemeinschaft muss anschließend Entscheidungen treffen. Das ist alles freiwillig. Ich kann gut mit Behörden und Ämtern kommunizieren, aber die GesprĂ€che zum Umweltbereich wiederum fĂŒhrt unser Biologe.“

Leben im Naturschutzgebiet

Der Naturschutz spielt – auch aufgrund der Lage des Gutes in einem Naturschutzgebiet – eine große Rolle im Wohnprojekt. Der Arbeitskreis Naturschutz arbeitet eng mit der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) zusammen und tauscht sich mit der Behörde regelmĂ€ĂŸig aus. Die GebĂ€ude stehen unter Denkmalschutz, jede Restaurierung muss mit den zustĂ€ndigen Behörden abgestimmt werden. Beim Zusammenleben von 70 Erwachsenen und 30 Kindern gibt es hin und wieder auch mal Meinungsverschiedenheiten und Konflikte. „Wenn mal etwas festgefahren ist, dann wenden wir uns an den Vertrauensrat“, sagt Annette Lenk. „Außerdem haben wir Coaching-Fachleute engagiert und entwickeln hier zwei- bis dreimal im Jahr Konfliktlösungsstrategien.“

„Guts-Koller“

Wo es Licht gebe, gebe es halt auch Schatten, so Annette Lenk. „Ich finde es gut, dass die Dinge hier gut organisiert und strukturiert sind und dass jeder weiß, wer fĂŒr was zustĂ€ndig ist. Aber manchmal ist es auch nervig, wenn alles gemeinsam entschieden werden muss. Du kannst halt nicht einfach machen, was du willst, und da kommt man dann auch mal an seine Grenzen.“ Dann bekommt sie auch mal einen „Guts-Koller“, möchte ganz fĂŒr sich sein und zieht sich zurĂŒck. Aber wenn sie aufs Gut zurĂŒckkommt, so Annette Lenk, merkt sie wieder, wie gern sie hier lebt. „Manchmal muss man eben mal raus, damit man wieder wertschĂ€tzen kann, was man hier hat“, sagt sie.

Gemeinschaft statt AnonymitÀt

Wer auf dem Gut leben möchte, muss bereit sein, sich in die Gemeinschaft zu integrieren, betont Annette Lenk. „Wir wollen hier keine Leute haben, die einfach nur schöner wohnen möchten und sich an nichts beteiligen. Das funktioniert nicht bei 77 000 Quadratmetern im Naturschutzgebiet mit Bach. Unsere BĂ€ume mĂŒssen geschnitten werden, das Laub muss gefegt werden, die GemeinschaftsrĂ€ume mĂŒssen sauber gehalten werden – so wie in einem privaten Zuhause auch.“ Als alleinerziehende Mutter mit Vollzeit-Stelle kann Annette Lenk sich weniger einbringen als sie möchte – am liebsten ist sie im AußengelĂ€nde aktiv. „Jeder tut hier, was er kann, und auf seine Art, und solange sich jeder einbringt und niemand sagt ,Ich lebe jetzt einfach nur hier‘ anstatt zu helfen, gehört das zum Leben dazu.“ Die nĂ€chste Bushaltestelle ist zwei Kilometer entfernt. Aber wenn Annette Lenk spontan Kuchen backen möchte und keine Hefe im Haus hat, fragt sie in die Gruppe der Bewohnerinnen und Bewohner, ob jemand mit Hefe aushelfen kann, und in aller Regel findet sich jemand. „Manchmal“, so Annette Lenk, „steht auch jemand um 23.30 Uhr am S-Bahnhof und fragt in die Gruppe, ob jemand ihn abholen kann, und das funktioniert, irgendjemand kommt immer. Das finde ich so schön, daran denke ich mit einem glĂŒcklichen Herzen.“ Nicht nur fĂŒr Kinder könne das Leben nicht schöner sein als hier auf dem Gut, meint sie. Auch sie selbst ist froh und dankbar fĂŒr die Gemeinschaft und die UnterstĂŒtzung, die sie hier im Projekt bekommen kann. „Hier ist immer Leben um mich herum, und das ist sehr schön. Meine TĂŒr ist nie abgeschlossen, alle Fenster sind auf. Ich fĂŒhle mich hier total sicher.“ Ja, es gebe immer mal wieder Mitbewohner, die irgendwann wieder ausziehen, weil sie sich im Laufe der Zeit entschieden haben, wieder anders zu leben. „Andere wiederum“, so Annette Lenk, „sagen: Mich tragen sie hier mit den FĂŒĂŸen zuerst raus. Das Leben ist einfach stĂ€ndig im Wandel. Jeder muss seinen eigenen Weg finden. Entweder stellst du fest, es war ein Fehler, oder du erkennst, es war die beste Entscheidung deines Lebens.“

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