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Serie Pro und Kontra: Taschengeld

Spätestens mit dem Start in die Grundschule stellt sich für viele Familien die Frage nach dem Taschengeld. Sollten Kinder regelmäßig Geld zur freien Verfügung bekommen? Fördert eigenes Geld den verantwortungsvollen Umgang mit Finanzen oder führt es eher zu unnötigem Konsum? Gute Argumente gibt es auf beiden Seiten. Wir haben nachgehört:

Rotes Sparschweinchen mit weißen Punkten auf  Holztisch

Isabella Lacourtiade

07.09.2026

Lesezeit 3 Minuten

PRO

Gemischte Tüte in Richtung finanzielle Selbstständigkeit  

Über Geld redet man nicht. Doch. Und das ist gut so, denn Geld spielt nun mal eine Rolle im Leben der Menschen. Amüsant ist, wie das Thema bei unseren Mädels ins Rollen gekommen ist. Von ihrem ersten eigenen Taschengeld hat meine kleine Tochter das denkbar hässlichste, kaum definierbare Wollknäuel mit einem Knopf für gruselige Geräusche auf einem Flohmarkt gekauft. Vier Euro für Schrott – aber stolz wie Bolle. Ich musste mich bei dieser Investition weniger zusammennehmen als bei der Süßigkeiten-Tüte, die meine andere Tochter sich gerne kauft. Ja, ich habe das in ihrem Alter genauso gemacht – 
die heilige gemischte Tüte. Weil ich weiß, dass den Kindern das Taschengeld zur freien Verfügung stehen soll (mit Grenzen, selbstredend), beiße ich mir auf die Zunge und sehe Unmengen Zucker in einem lachenden Mund verschwinden. Mit beiden Entscheidungen bin ich zwar unzufrieden, aber meine Mädels fühlen sich groß, treffen eigene Entscheidungen und lernen die Wertigkeit der Dinge kennen. Das neue Federmäppchen – gerade einmal vier Monate nach Schulbeginn –, mit dem man im Coolnessfaktor der Klasse um zehn Punkte aufsteigt (es kann blinken und hat ein Fach mehr), wurde in unserer Familie lange diskutiert. Es war schön zu beobachten, wie meine Tochter diese erste größere Investition abwog, sie möglichen Alternativkäufen und ihrem Sparschwein gegenüberstellte. Ganz nebenbei kommen das Zählen von Münzen und spielerisches Rechnen hinzu. Was wir ebenfalls beobachten, sind konspirative Gespräche über die Anschaffung eines Hundes. Dafür reicht ihr Budget allerdings nicht aus – obwohl eine Tochter durchaus das Potenzial dazu hätte: Sie ist die Sparerin, die andere die Ausgeberin. Mit der Einführung des Taschengeldes sind neue Gesprächsanlässe rund ums Thema Geld entstanden. Plötzlich sprechen wir darüber, wie Sparen funktioniert oder was ein Eis, ein Federmäppchen und ein Hund kostet. Zudem kann man endlich entspannt in den Spielzeug- oder Eisladen gehen, ohne angebettelt zu werden, denn jetzt greift die Geheimwaffe: „Das kannst du dir selbst kaufen.“

Porträt von Laura Rüther

Laura Rüther ist freie Journalistin und hat zwei Grundschulkinder, die erste Erfahrung mit Taschengeld sammeln.
 

KONTRA 

Taschengeld – Münzen mit zwei Seiten  

Seit Generationen erhalten Kinder ein wöchentliches oder monatliches Mini-Salär, um den selbstständigen Umgang mit Geld zu erlernen. Das klingt sinnvoll – doch wie jede Medaille hat auch das Taschengeld zwei Seiten. Zum einen stellt sich die Frage nach der Höhe des Betrags und danach, wofür das Geld verwendet werden darf. Ist es dem Nachwuchs erlaubt, nach wochenlangem Sparen das eigentlich verbotene Comicheft oder unerwünschtes Spielzeug zu erstehen? Zum anderen wird oft übersehen, dass jüngere Grundschulkinder den Zusammenhang von Wert und Gegenwert noch gar nicht vollständig erfassen können. Nach dem Entwicklungsmodell des Psychologen Jean Piaget müssen Sechs- bis Siebenjährige konkret-operationale Vorstellungen erst noch lernen. Logisches Denken entwickelt sich zunächst noch eng an die Anschauung gebunden. Deshalb werden in Grundschulen im Mathematikunterricht Bauklötze, Perlenmaterial usw. eingesetzt oder Kinder helfen sich bei der Lösung von Rechenaufgaben gerne mit den eigenen Fingern. Nach und nach werden das Dezimalsystem und schließlich abstrakte Rechenoperationen mit Ziffern verstanden. Erst in der vierten Klasse beherrschen die meisten Schüler:innen die vier Grundrechenarten sicher genug, um beim Einkaufen selbstständig zu überschlagen, ob die Münzen reichen oder das Wechselgeld stimmt.  Natürlich sind Kinder stolz darauf, ihre Süßigkeiten oder ein kleines Spielzeug selbst auszusuchen und zu bezahlen. Doch sie sind dabei auf die Ehrlichkeit der Verkäufer angewiesen, weil sie das Rückgeld häufig noch nicht schnell kontrollieren können. An den Umgang mit Geld muss man Kinder heranführen – allein Taschengeld zu erhalten, erfüllt diese Aufgabe jedoch nicht. Noch ein anderer Aspekt kommt hinzu: Kinder aus bessergestellten Elternhäusern können sich mehr leisten als Gleichaltrige mit geringerem Budget. Das fördert schon in jungen Jahren ein Konkurrenzdenken. Insofern sollte der Lernwert vom Taschengeld alleine nicht überschätzt werden, da noch längere Zeit die Begleitung von Erwachsenen notwendig ist.     

Porträt von Andrea Vogelgesang

Diese Vor- und Nachteile hat Andrea Vogelgesang auch bei ihren Kindern bedacht. Zur Grundschulzeit gab es einen kleinen Wochenbetrag.

Börsenwettbewerb für Jugendliche  

Das Planspiel Börse ist der größte Börsenwettbewerb Europas: Über 100 000 Teilnehmende aus ganz Europa handeln vier Monate lang in Teams mit echten Aktienkursen – ohne finanzielles Risiko. Die Regis-trierung erfolgt über die Schule oder die örtliche Sparkasse, teilnehmen können Kinder und Jugendliche per App oder im Browser. Ziel ist es, das virtuelle Spielkapital im Team zu vermehren und dabei die Grundlagen von Börse und Wertpapierhandel kennenzulernen. Für die erfolgreichsten Teams gibt es Preise, ein eigener Preis würdigt zudem Teams mit dem höchsten Ertrag aus nachhaltigen Anlagen.

Termine 2026 
Registrierung ab 14.09., Spielstart 01.10., 
Registrierungsschluss und Zwischenbewertung 11.11., 
Spielende 25.01.2027

ZUM PLANSPIEL BÖRSE
 

Die Finanzkomplizin  

Wer mehr darüber erfahren möchten, wie man Kindern den Umgang mit Geld verständlich beibringen kann, findet bei der Finanzkomplizin Deborah Scarpino-Helle einfache Tipps und Tricks. Die Wuppertalerin ist vom Konzept des Wunsch-Sparglases überzeugt und informiert interessierte Eltern regelmäßig per Social Media und auf ihrer Website zu den Themen Sparen, Taschengeld und Finanzkompetenz. 

diefinanzkomplizin.de 

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