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Wenn der Alltag zur Herausforderung wird

Stress ist längst kein reines Erwachsenenthema mehr. Der Familienalltag ist oft von Zeitdruck geprägt, was nicht nur Eltern belastet, sondern auch Kinder stark beeinflusst.

Mädchen umarmt die Taille eines Elternteils

Christine Balke Heitzig

18.05.2026

Lesezeit 3 Minuten

Zwar kann er kurzfristig hilfreich sein, doch anhaltender Stress gefährdet die körperliche und seelische Gesundheit. Doch woran erkennen Eltern, dass ihr Kind gestresst ist? Welche Faktoren spielen eine Rolle – und was hilft wirklich im Familienalltag? Dr. med. Sung Han, Spiegel-Bestseller Autor und Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie aus Düsseldorf, weiß um die Ursprünge von Stress bei Kindern sowie bei Eltern.

Stress hat viele Gesichter

Laut der repräsentativen Forsa-Eltern-Umfrage „Eltern im Fokus“ der Körber-Stiftung 2025 erleben 79 Prozent der Eltern ihren Alltag als belastend, und über 70 Prozent berichten, dass ihre Kinder ebenfalls unter Stress stehen, wenn sie selbst stark belastet sind. „Während Eltern von Babys oder jungen Kindern oft durch körperlichen Stress, wie Schlafmangel oder ständige Wachsamkeit, geprägt sind, verschiebt sich dieser mit zunehmendem Alter der Kinder eher auf die emotionale Ebene. Das kleine Kind entwickelt sich zur eigenständigen Persönlichkeit, Autonomie und Abgrenzung rücken weiter in den Vordergrund“, so Han. „Eltern sind heute mit einer Vielzahl von Rollen konfrontiert. Sie leben nicht nur für sich selbst, sondern tragen Verantwortung für ihre Kinder. Das bedeutet: wenig Zeit für sich selbst. Sie sollen in der Familie als Mama oder Papa funktionieren, übernehmen zahlreiche organisatorische Aufgaben rund um Schule, Freizeitaktivitäten und Haushalt und gleichzeitig auch die Rolle der Geldverdienerin oder des Geldverdieners.“ Erschöpfung und Schlafmangel sowie ein „Mental Load“, gerade bei Müttern, sind daher keine Seltenheit.

Wie erkenne ich, ob mein Kind unter Stress leidet? 

Je nach Charakter und Alter des Kindes können sich unterschiedliche Symptome zeigen. Ab und zu mal Bauchschmerzen lassen noch nicht auf eine Stressbelastung schließen. Tauchen diese aber regelmäßig und über einen längeren Zeitraum hinweg auf – das gilt übrigens auch für viele andere Hinweise –, sollten Eltern dem besondere Aufmerksamkeit schenken. Schlafmangel, Rückzug, körperliche Beschwerden wie Kopf- oder Bauchschmerzen, aber auch Impulsivität, Wutanfälle oder Ängste können Warnsignale darstellen.

Eltern sind immer Vorbilder

Kinder lernen von ihren Eltern, ob wir es wollen oder nicht. Gerade jüngere Kinder haben oft feine Antennen, mit denen sie Stimmungsschwankungen wahrnehmen, und diese wirken sich unbewusst auf die Kinder aus. In einer aktuellen Online-Befragung der Super-Chill-Stiftung berichten 84 Prozent der untersuchten Eltern, dass ihre eigene Anspannung direkte Auswirkungen auf ihre Kinder hat – etwa durch erhöhte Reizbarkeit, Überstimulation oder Schwierigkeiten beim Abschalten. Hinzu kommen ungelöste Themen aus unserer eigenen Kindheit, die wir unbewusst in uns tragen, die jedoch unseren Alltag, unsere Resilienz und unseren Umgang mit unseren Kindern bestimmen. „Leistungs- und Perfektionsansprüche, Ängste, der Wunsch nach Anerkennung oder Liebe durch Leistung – und oft auch die Unfähigkeit, gut für sich selbst zu sorgen, können zu Mustern führen, die wir auf unsere Kinder übertragen. Am Ende können wir unseren Kindern nur das weitergeben, was wir selbst geklärt und verarbeitet haben“, so Han.  

Telefonberatung  

Die erfahrene Expert:innen von STEP e. V. helfen Eltern, Stress und Herausforderungen im Umgang mit ihren Kindern gut zu bewältigen. Die Erziehungsberatung ist anonym, kostenlos und bundesweit erreichbar unter: 
+49 211 81971081, instep-online.de

Viele Reize, geringere Resilienz 

Bereits Grundschulkinder erleben Stress. Die „Elefanten-Kindergesundheitsstudie“ von 2023 zeigt, dass schon unter Grundschülern Leistungsdruck, Hausaufgaben und Zeitknappheit für viele belastend sind. Insbesondere in der dritten Klasse steigt der gefühlte Druck im Vergleich zu jüngeren Klassen deutlich an – und nimmt danach nicht mehr sichtlich ab. Ein durchgetakteter Freizeitalltag kann zudem den gegenteiligen Effekt zum eigentlichen Freizeitgedanken aufweisen: Anstatt Entspannung zu erfahren, kann Termindruck auch bei Freizeitaktivitäten negative Folgen haben. Hinzu kommen externe Reize, vor allem verursacht durch eine zunehmend steigende oder auch unkontrollierte Mediennutzung bei Kindern. Hohe Bildschirmzeiten bei Kindern können zu stressinduzierten Erscheinungen führen. „Am Ende bleibt wenig Zeit und Raum für das, was Stress entgegenwirken kann: Freies Spiel, Langeweile und einfaches Kindsein sind essenziell für die Entwicklung und Selbstregulation bei Kindern“,  erklärt Han.

Was hilft, Stress zu reduzieren?

Selbstfürsorge, denn wir Eltern sind Vorbilder. Geht es uns nicht gut, ignorieren wir Warnsignale bei uns selbst und wird es schwer, Achtsamkeit gegenüber unseren Kindern aufzubringen. Ein gesundes Umfeld zu schaffen, ist dabei eine gute Grundlage für ein entspanntes Miteinander: also Perfektion loslassen, bewusst atmen (das aktiviert den Parasympathikus), auf genügend Schlaf, frische Luft, eine gute Ernährung und Bewegung achten. Eltern wird viel abverlangt, das gilt es anzuerkennen. Prioritätenlisten helfen, To-Dos zu bündeln. Manchmal findet man auch im direkten Umfeld Unterstützung: Jede kleine Hilfe ist willkommen, wenn es darum geht, den Workload zu reduzieren.   Als Eltern tendieren wir dazu, schnell Ratschläge zu geben, wenn es bei den Kindern nicht so läuft, wie sie sich oder wir uns das vorstellen. Dabei benötigen sie oft nur eines: die Sicherheit, dass jemand für sie da ist. Zuhören ist dabei eine der besten Möglichkeiten, gemeinsam zur Balance zu finden. Auch kleine Rituale können helfen, wie etwa eine halbe Stunde Nichtstun am Abend oder eine Entspannungssession vor dem Schlafengehen. Hinzu kommt die Reduktion von Reizen, die von digitalen Medien, Computerspielen oder Fernsehen ausgehen – nicht komplett, aber geregelt und gemeinsam verhandelt. Das schafft Sicherheiten für beide Seiten. Und sollte der Stress wirklich zu viel werden, können Anlaufstellen vor Ort oder auch kurzfristig telefonisch unterstützen. Oft hilft es bereits, mit einer familienfremden Person zu sprechen, um eine neue Perspektive oder Unterstützung zu bekommen. Stress gehört zum Familienalltag dazu – entscheidend ist der Umgang damit. Kinder brauchen keine perfekten Eltern, sondern verlässliche Bezugspersonen, die zuhören, Verständnis zeigen und auch auf sich selbst achten. Wer eigenen Stress ernst nimmt und seinem Kind Sicherheit, Struktur und Nähe bietet, stärkt dessen gesunde Entwicklung. Oft sind es kleine gemeinsame Momente der Ruhe, die mehr Leichtigkeit in den Alltag bringen.

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