Würde man die Geschichte von Florian und Nibras als Comic zeichnen, dann wäre das erste Panel vielleicht eine große Landkarte mit Fähnchen: jeweils in Syrien, Aachen, Linz, Wien und Düsseldorf. Aus Syrien kamen die Eltern von Nibras Naami in den 60er-Jahren, Nibras wurde in Aachen geboren und wuchs dort in der Nähe auf, er studierte Medizin in Düsseldorf, wo er Florian Babor kennenlernte. Der wiederum ging in Linz zur Schule und studierte in Wien Medizin. Weil er dabei durchgängig am selben Krankenhaus gearbeitet hatte, wollte er einen Cut machen und sich ein, zwei Jahre „in einer schönen Stadt“ im Ausland umschauen. Seine Wahl fiel auf Düsseldorf, und hier ist er hängengeblieben. Beide spezialisierten sich auf Kinderonkologie bzw. Kinderhämatologie und wurden an der Uniklinik Düsseldorf Kollegen. Oberarzt Florian schätzte Assistenzarzt Nibras von Anfang an: „Nibras war einer derjenigen, die mitdachten und die Initiative ergriffen. Es gibt immer wieder Leute, die sind durchaus bemüht und melden sich gern für Aufgaben, aber danach ist die Sache für sie erledigt. Nibras war konsistent engagiert.“ Florian hielt Nibras deshalb für einen geeigneten Partner für eine Idee, die ihm keine Ruhe ließ – obwohl er mit seinen vier Kindern und seinem Beruf vermutlich bereits gut zu tun hatte. Aber: „Akademisch hatte ich zu dieser Zeit alles erreicht, die Habil war fertig. Ich dachte mir: Wir sitzen mit unserer langjährigen Klinikerfahrung auf so einem Schatz an Wissen, den sollten wir teilen. Denn dazu kommt man im Klinikalltag viel zu wenig.“ Und so fragte er seinen Kollegen Nibras 2019 auf einer Weihnachtsfeier nachts um eins am Rand der Tanzfläche, ob er nicht Lust hätte, mit ihm einen Podcast über Kindermedizin zu machen. Was Florian nicht wusste: Nibras hatte zu diesem Zeitpunkt bereits Podcast-Erfahrung. Als leidenschaftlicher Plattensammler hatte Nibras beschlossen, die Fachsimpeleien mit einem gleichgesinnten Freund als Podcast aufzunehmen, denn dann wären Leute weniger genervt davon als im echten Leben: „So würden nämlich nur Leute zuhören, die sich dafür ebenso interessieren wie wir.“ Diese Erfahrung kam ihm jetzt zugute: „Bei dem Vinyl-Podcast habe ich mich noch gar nicht um die technische Seite gekümmert, aber viel mitbekommen, was ich dann bei Hand, Fuß, Mund nutzen konnte“, erinnert sich Nibras. An dieser Stelle schaltet sich seine Frau Kristin ein: „Nibras und ich sind seit 15 Jahren zusammen, wir haben zusammen studiert, und er hatte immer irgendwelche Side Projects am Laufen. Er hat als DJ gearbeitet, gemalt, hatte eine Fair-Trade-Modelinie …“
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