40 Wochen wird das Kind im Normalfall in der Gebärmutter vorbereitet auf die Welt außerhalb des Mutterleibes: vom Heranwachsen der Gliedmaßen bis hin zur vollständigen Lungenreife. Auch die Eltern haben Zeit sich vorzubereiten auf die werdende Rolle als Eltern und darauf, dass sich ihr Leben vollkommen verändert. Mit einer Frühgeburt wird die Zeit der Reifung des Säuglings, die Zeit des gegenseitigen Kennenlernens, verkürzt. Die Spanne der Säuglinge, die zu früh geboren werden, ist groß. Findet die Entbindung vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche statt, spricht man von einer Frühgeburt. Dank der fortschrittlichen Medizin kann ein Baby etwa ab der 22. Schwangerschaftswoche überleben. Je früher die Geburt, desto einschneidender ist das Erleben für Eltern und Kind und je größer die Sorgen der Eltern bezüglich möglicher geistiger und körperlicher Beeinträchtigungen.
Herausforderungen der zu früh geborene Kinder
Frühgeborene Kinder haben häufiger Probleme in der Entwicklung als Kinder, die nach Plan geboren werden. Sie sind im Grunde genommen noch nicht fertig entwickelt. Direkt nach der Geburt ist die Atmung ein großes Thema. Die Kinder können oft nicht aus eigner Kraft atmen und viele Kinder müssen beatmet werden. Neben der fehlenden Lungenreife ist auch der Magen-Darm-Trakt oft so unreif, dass die Säuglinge ernährt werden müssen und selbst wenn Muttermilch zugeführt wird, kann es dort häufiger zu Entzündungen kommen. Generell sind Infektionen und die damit verbundene Gefahr von Blutvergiftungen ein Problem. Vor allem aber wird versucht Gehirnblutungen, die gerade bezüglich der Spätfolgen weitreichende Konsequenzen haben, zu verhindern. Neurologische Defizite und Entwicklungsverzögerungen können darauf zurückgeführt werden.
Sorgen in der Schwangerschaft
Für viele Eltern, die überrascht werden mit einer frühzeitigen Geburt, sind die Sorgen nach der Geburt daher sehr groß. Die Eltern bangen, ob das Kind mit langfristigen Folgen zu tun haben wird, ob Entwicklungsverzögerungen eintreten. Bei Annika und Andi waren die Sorgen in der Schwangerschaft größer als nach der Geburt. Die jungen Eltern aus Benrath haben eineiige Jungs bekommen. Ab der 12. Woche war es eine Risikoschwangerschaft, nicht allein aufgrund der Tatsache, dass es eineiige Zwillinge waren, sondern aufgrund der unterschiedlichen Größe der Embryos. Das Screening in der Pränatalklinik war sehr engmaschig und Annika beschreibt es als Höllenritt, denn es war nie klar, ob man frühzeitig entbinden muss, um ein Kind zu retten oder beide Kinder. Solange der Kleinere noch gut versorgt war, hieß es stillhalten und hoffen. In der 26. Woche wurden die jungen Eltern in die Uniklinik geschickt mit der Fragestellung, ob die Kleinen geholt werden müssen. Das war die schlimmste Phase für die Eltern. Felix, der kleinere der Zwillinge, hatte da gerade mal ein Gewicht von 480 Gramm. Am Ende ist die Familie weit gekommen, Annika wollte es gerne bis in die 30. Woche schaffen und tatsächlich wurden die Kinder in der 32. Schwangerschaftswoche per Kaiserschnitt geholt. Die Familie hatte Glück. Die Jungs mussten weder beatmet werden, noch hatten sie in anderen Bereichen Probleme oder Entwicklungsverzögerungen.
Auf der Intensivstation
Wenn Komplikationen in der Schwangerschaft auftreten, wie zum Beispiel eine Schwangerschaftsvergiftung, können die Eltern sich mental auf eine frühzeitige Geburt vorbereiten. Genauso wie bei Mehrlingsgeburten, die häufig in einer frühen Geburt enden, wie bei den Zwillingen von Annika und Andi. Dann gibt es die Eltern, die noch nicht mal mit dem typischen „Nestbau“ begonnen haben und weder das Babybett besorgt haben noch die Windeln für die ersten Wochen. Das Leben ändert sich wie bei allen Eltern von heute auf morgen. Der Unterschied ist, dass Eltern frühgeborener Kinder den Familienzuwachs nicht nur unvorbereitet begrüßen müssen, sondern sie werden zudem auch mit einigen Sorgen konfrontiert. Je nach Zustand des Kindes, müssen die Kinder auf die Intensivstation oder auf eine Frühchen-Station. Annika und Andi waren in der Uniklinik Düsseldorf. Sie fühlten sich sehr gut aufgehoben und beraten in der Zeit vor der Geburt und danach. Die Pränatalklinik in Düsseldorf arbeitet eng mit der Uniklinik zusammen. Annika und Andi wurden vor der Entbindung mit dem Oberarzt der Frühgeborenen-Station vernetzt. Er klärte sie auf wie die Überlebenschance sind, was sie zu erwarten haben nach der Geburt und wie sie die Zeit dort erleben werden. Annika war darüber sehr dankbar, denn sie empfand die Situation auf der Frühchen Station mit dem ständigen Piepen, dem Inkubator und der Sterilität im wahrsten Sinne des Wortes als intensiv.