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Große Sorgen und kleine Freuden

Alle Eltern beschäftigt während der Schwangerschaft die Gesundheit des Ungeborenen Babys. Wenn sich dann ankündigt, dass etwas nicht ganz nach Plan läuft, sind die Sorgen häufig groß.

ein Frühchen mit einem Schlauchen in der Nase liegt auf der Brust des Vaters, er hält die kleine Hand fest

Laura Rüther

31.10.2023

Lesezeit 4 Minuten

40 Wochen wird das Kind im Normalfall in der Gebärmutter vorbereitet auf die Welt außerhalb des Mutterleibes: vom Heranwachsen der Gliedmaßen bis hin zur vollständigen Lungenreife. Auch die Eltern haben Zeit sich vorzubereiten auf die werdende Rolle als Eltern und darauf, dass sich ihr Leben vollkommen verändert. Mit einer Frühgeburt wird die Zeit der Reifung des Säuglings, die Zeit des gegenseitigen Kennenlernens, verkürzt. Die Spanne der Säuglinge, die zu früh geboren werden, ist groß. Findet die Entbindung vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche statt, spricht man von einer Frühgeburt. Dank der fortschrittlichen Medizin kann ein Baby etwa ab der 22. Schwangerschaftswoche überleben. Je früher die Geburt, desto einschneidender ist das Erleben für Eltern und Kind und je größer die Sorgen der Eltern bezüglich möglicher geistiger und körperlicher Beeinträchtigungen.  

Herausforderungen der zu früh geborene Kinder

Frühgeborene Kinder haben häufiger Probleme in der Entwicklung als Kinder, die nach Plan geboren werden. Sie sind im Grunde genommen noch nicht fertig entwickelt. Direkt nach der Geburt ist die Atmung ein großes Thema. Die Kinder können oft nicht aus eigner Kraft atmen und viele Kinder müssen beatmet werden. Neben der fehlenden Lungenreife ist auch der Magen-Darm-Trakt oft so unreif, dass die Säuglinge ernährt werden müssen und selbst wenn Muttermilch zugeführt wird, kann es dort häufiger zu Entzündungen kommen. Generell sind Infektionen und die damit verbundene Gefahr von Blutvergiftungen ein Problem. Vor allem aber wird versucht Gehirnblutungen, die gerade bezüglich der Spätfolgen weitreichende Konsequenzen haben, zu verhindern. Neurologische Defizite und Entwicklungsverzögerungen können darauf zurückgeführt werden.

Sorgen in der Schwangerschaft

Für viele Eltern, die überrascht werden mit einer frühzeitigen Geburt, sind die Sorgen nach der Geburt daher sehr groß. Die Eltern bangen, ob das Kind mit langfristigen Folgen zu tun haben wird, ob Entwicklungsverzögerungen eintreten. Bei Annika und Andi waren die Sorgen in der Schwangerschaft größer als nach der Geburt. Die jungen Eltern aus Benrath haben eineiige Jungs bekommen. Ab der 12. Woche war es eine Risikoschwangerschaft, nicht allein aufgrund der Tatsache, dass es eineiige Zwillinge waren, sondern aufgrund der unterschiedlichen Größe der Embryos. Das Screening in der Pränatalklinik war sehr engmaschig und Annika beschreibt es als Höllenritt, denn es war nie klar, ob man frühzeitig entbinden muss, um ein Kind zu retten oder beide Kinder. Solange der Kleinere noch gut versorgt war, hieß es stillhalten und hoffen. In der 26. Woche wurden die jungen Eltern in die Uniklinik geschickt mit der Fragestellung, ob die Kleinen geholt werden müssen. Das war die schlimmste Phase für die Eltern. Felix, der kleinere der Zwillinge, hatte da gerade mal ein Gewicht von 480 Gramm. Am Ende ist die Familie weit gekommen, Annika wollte es gerne bis in die 30. Woche schaffen und tatsächlich wurden die Kinder in der 32. Schwangerschaftswoche per Kaiserschnitt geholt. Die Familie hatte Glück. Die Jungs mussten weder beatmet werden, noch hatten sie in anderen Bereichen Probleme oder Entwicklungsverzögerungen.

Auf der Intensivstation

Wenn Komplikationen in der Schwangerschaft auftreten, wie zum Beispiel eine Schwangerschaftsvergiftung, können die Eltern sich mental auf eine frühzeitige Geburt vorbereiten. Genauso wie bei Mehrlingsgeburten, die häufig in einer frühen Geburt enden, wie bei den Zwillingen von Annika und Andi. Dann gibt es die Eltern, die noch nicht mal mit dem typischen „Nestbau“ begonnen haben und weder das Babybett besorgt haben noch die Windeln für die ersten Wochen. Das Leben ändert sich wie bei allen Eltern von heute auf morgen. Der Unterschied ist, dass Eltern frühgeborener Kinder den Familienzuwachs nicht nur unvorbereitet begrüßen müssen, sondern sie werden zudem auch mit einigen Sorgen konfrontiert. Je nach Zustand des Kindes, müssen die Kinder auf die Intensivstation oder auf eine Frühchen-Station. Annika und Andi waren in der Uniklinik Düsseldorf. Sie fühlten sich sehr gut aufgehoben und beraten in der Zeit vor der Geburt und danach. Die Pränatalklinik in Düsseldorf arbeitet eng mit der Uniklinik zusammen. Annika und Andi wurden vor der Entbindung mit dem Oberarzt der Frühgeborenen-Station vernetzt. Er klärte sie auf wie die Überlebenschance sind, was sie zu erwarten haben nach der Geburt und wie sie die Zeit dort erleben werden. Annika war darüber sehr dankbar, denn sie empfand die Situation auf der Frühchen Station mit dem ständigen Piepen, dem Inkubator und der Sterilität im wahrsten Sinne des Wortes als intensiv.

Bonding und Selbstfürsorge

Annika berichtet von viel Unterstützung im Krankenhaus. Ihre Jungs kamen mit 1200g und 1900g zur Welt. Auf der Intensivstation war eine Schwester nur für die Zwillinge zuständig und die Betreuung laut Annika sensationell. Nach etwa vier Tagen kamen die Jungs auf die Frühgeborenen-Station während die Mutter im Frauenhaus lag. Die Kinder mussten nicht beatmet werden, sie bekamen nur Atemunterstützung. Von Tag zu Tag wurde die Atemunterstützung runtergeregelt und die Verkabelung weiter reduziert. Bonding wird groß geschrieben in der Uniklinik. Annika, die „nur“ in der Frauenklinik untergebracht war, lobt das Bonding in der Uniklinik in den höchsten Tönen. Sie konnten zu jeder Tag- und Nachtzeit zu ihren Kindern gehen und auch jederzeit auf der Intenisv- oder Frühgeborenen-Station anrufen um nach dem Wohlergehen der Kinder zu fragen. Die Eltern der Zwillinge berichten, dass sie ihre Kinder so gut aufgehoben wussten, dass sie auf den eigenen Schlaf und Erholung achten konnten. Annika hat es gewissermaßen geholfen, dass sie bereits ein Kind hatte und wusste wie sehr sie ihre Kräfte noch für die kommende Zeit brauchen. Sie erzählt, dass nicht jede Frau diese Selbstfürsorge schafft. Sie lernte eine erstgebärende Frühchen-Mutter kennen, die gefühlt rund um die Uhr bei ihrem Kind war und jede Windel selber wechseln wollte. Die Zwillingsmutter berichtet schmunzelnd: „Da dachte mir nur: Ich weiß wieviele Windeln ich noch im Laufe der Zeit wechseln werde“.  In der Frühchen-Therapie ist das Bonding nicht wegzudenken. Drei Mal am Tag ging Annika zu festgelegten Zeiten rüber und ihr wurden die Jungs eine Stunde lang auf den nackten Oberkörper gelegt.

Muttermilch als weiterer Schwerpunkt der Uniklinik

In Summe lag Annika etwa acht Tage in der Frauenklinik. Medizinisch gesehen hätte sie schon früher entlassen werden können, aber die Eltern haben entschieden die Nähe zu den Zwillingen noch zu nutzen und den Stress, den sie zwangsläufig erwarten würde mit der älteren Tochter, die zuhause mit dem Papa wartete, noch eine Weile hinauszuzögern. Selbst an solchen Situationen wird an Verbesserungen gearbeitet. Die Eltern haben an einer Studie der Uniklinik teilgenommen, in denen Webcams eingesetzt werden, die an den Wärmebetten installiert wurden. Zum einen wurde erforscht, ob sich die soziale Bindung zwischen Eltern oder Geschwisterkindern und Neugeborenen verbessert. Die große Schwester der Zwillinge durfte in der Coronazeit ihre Brüder leider nicht in der Klinik besuchen. Zudem sollte untersucht werden, ob sich das Stillverhalten, sprich der Milchfluss verbessert, wenn die Mutter von aus zuhause vermehrt ihre Kinder sieht. Muttermilch ist mit dem Bonding ein Schwerpunktthema der Uniklinik. Die Zwillinge von Annika wurden von Anfang an mit Muttermilch versorgt. Selbst die nährstoffreiche Vormilch, das Kolostrum konnte den Kindern zugeführt werden, was nicht immer die Regel die ist, wenn die Kinder acht Wochen zu früh per Kaiserschnitt kommen. Die Stillberaterin und Hebamme hat Annika von Anfang an intensiv begleitet.

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