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Mit allen Sinnen

Zum ersten Mal heute ist es still. Das heißt, eigentlich hört man ganz viel: den Wind, der in den BĂ€umen rauscht. Eine Taube gurrt. Es raschelt im trockenen Laub. In der Ferne klopft ein Specht. Nach einem lauten Vormittag mit viel Schwesterngezanke und Nach-Urlaubs-Langeweile habe ich mir die Kinder geschnappt und wir sind raus in den Wald.

Zwei MĂ€dchen fĂŒttern Rehe im Wildpark

Susanne Werding

27.09.2022

Lesezeit 2 Minuten

Zugegeben, die Begeisterung hielt sich zunĂ€chst in Grenzen. Aber jetzt liegen wir hier im Schatten der BĂ€ume, schauen in die schwankenden Baumwipfel, lauschen den WaldgerĂ€uschen und sind auf einmal sehr entspannt. Kein Wunder, denn im Wald verlangsamen wir ganz von selbst unser Tempo. Zahlreiche Studien bestĂ€tigen, was wir ganz intuitiv spĂŒren: Der Wald tut uns gut, unserem Körper genau so wie unserer Seele. Das gilt heute mehr denn je. In unserem durchgetakteten Alltag mit vielen Terminen, Mediennutzung und StadtlĂ€rm sind Kinder starken Reizen ausgesetzt. Da fĂ€llt es zunehmend schwer, zur Ruhe zu kommen. RegelmĂ€ĂŸige Auszeiten in der Natur können helfen. Forscher von der UniversitĂ€t Michigan sprechen aufgrund der entspannenden Wirkung des Waldes sogar von einer „Naturpille“: Bereits 20 Minuten im Wald reduzieren Stress und senken den Cortisolspiegel. Allein schon die Farbe GrĂŒn wirkt beruhigend auf uns Menschen. So konnte nachgewiesen werden, dass Kinder sich im Unterricht besser konzentrieren können, wenn sie durch das Fenster auf BĂ€ume schauen.

Entspannender Naturcocktail

Und der Wald kann noch mehr. Waldluft enthĂ€lt nicht nur ĂŒber 90 Prozent weniger Staubteilchen als die Luft in der Stadt, sie ist auch voller Phytonzide. Diese chemischen Substanzen, die Pflanzen absondern, wirken als eine Art natĂŒrliche Aromatherapie und stĂ€rken unser Immunsystem nachhaltig. Zeit in der Natur senkt den Blutdruck, verbessert die SchlafqualitĂ€t, minimiert das Krankheitsrisiko und fördert die Konzentration. Studien mit Kindern, die WaldkindergĂ€rten besucht haben, zeigen, dass die „Draußen-Kinder“ hinsichtlich ihres Sprachvermögens, KreativitĂ€t, der KonzentrationsfĂ€higkeit und im Sozialverhalten deutlich besser abschneiden als Kinder aus RegelkindergĂ€rten. Das japanische Waldbaden, das auch bei uns immer populĂ€rer wird, nutzt die heilsame Kraft des Waldes schon lange. Anders als beim klassischen Spaziergang, der bei Kindern ja nicht unbedingt immer JubelstĂŒrme auslöst, geht es beim Waldbaden darum, den Wald achtsam mit allen fĂŒnf Sinnen wahrzunehmen. Das feuchte Moos riechen, die frische Luft schmecken, die unterschiedlichen GrĂŒntöne der BlĂ€tter bemerken, die Vögel singen hören und den Wind auf der Haut spĂŒren. Den Kindern ist in der Zwischenzeit ein bisschen zu viel Ruhe eingekehrt. „Mama, und was machen wir jetzt?“ Eine Runde „Verstecken-Fangen“ ist angesagt. Im Wald macht das gleich doppelt Spaß. Den HĂŒgel rauf, ĂŒber BaumstĂ€mme springen, tief hĂ€ngenden Ästen ausweichen und atemlos in Mulden kauern, um sich zu verstecken. Wer die große Buche erreicht, ohne gefangen zu werden, hat gewonnen! Unter dem Baum entdecken wir dann noch haufenweise Bucheckern. Nur wenige der nĂ€hrstoffreichen NĂŒsschen probieren wir direkt. Neben vielen Mineralstoffen, Zink und Eisen enthalten die Eckern nĂ€mlich den schwach giftigen Stoff „Fagin“, der bei grĂ¶ĂŸeren Mengen Bauchschmerzen verursacht. Werden die geschĂ€lten Bucheckern ein paar Minuten in der Pfanne geröstet, wird das Fagin abgebaut. Wir sammeln also einen kleinen Vorrat fĂŒr zu Hause, bevor wir noch einen Abstecher in die Waldschule im Wildpark machen.

Der Natur auf der Spur

Zwar ist die 2019 neu eröffnete Waldschule fĂŒr das außerschulische Umweltbildungsprogramm von Kitas und Schulen reserviert, die Dauerausstellung im alten Waldschul-Blockhaus steht aber allen Wildparkbesucher:innen weiterhin zur VerfĂŒgung. Besonders spannend fĂŒr die Kinder ist neben den Terrarien mit Fröschen, Eidechsen und Co. alles, was die Sinne anregt. So erschnuppern sie Pfefferminze und Kiefernnadeln an der Duftorgel. Ein bisschen mehr Überwindung kostet der Griff ins Unbekannte: Wer schafft es, zu ertasten, was sich hinter dem Sichtschutz verbirgt? Eine glatte Kastanie erfĂŒhlen wir, einen kĂŒhlen Stein, die leicht fettige Wolle von Schafen. Wer den Besuch im Wald mit seinen Kindern gern vor- oder nachbereiten möchte, findet ĂŒbrigens unter duesseldorf.de/stadtgruen/wald/waldschule spannende ArbeitsblĂ€tter mit jeder Menge Informationen, von A wie Allesfresser bis Z wie ZĂ€hne zeigen. FĂŒr allzu viel Theorie fehlt bei uns jetzt allerdings die Geduld, denn das grĂ¶ĂŸte Highlight des Wildparks steht ja noch aus. „Mama, komm, lass uns die Rehe fĂŒttern, sonst sind die schon satt, bis wir kommen“, drĂ€ngelt es schon. Zum GlĂŒck nehmen die Tiere unsere Möhren und Apfelschnitze dankbar an und unsere VorrĂ€te sind mal wieder viel zu schnell erschöpft. Aber wir nehmen uns fest vor: Ganz bald gehen wir wieder in den Wald.

 

Im Mittelpunkt der Familie

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