WĂ€hle deine persönlichen Lebensstufen. Wir versuchen dir nur die Inhalte anzuzeigen, die fĂŒr dich gerade zutreffend sind.

Seiteninhalt
Seiteninhalt
Endlich selber losdĂŒsen

Das erste Fahrrad ist fĂŒr Kinder der Einstieg in die MobilitĂ€t. Wie sie damit umgehen und sicher vorankommen, ĂŒben sie am besten in einem sogenannten Schonraum. Aber was verbirgt sich hinter dem Begriff und was mĂŒssen Eltern beachten?

kind mit kinderfahrrad im wald

Aus der Redaktion

12.04.2023

Lesezeit 3 Minuten

Um den Begriff Schonraum zu verstehen, sollte man zuerst die englischen Entsprechungen kennen. Diese lauten „protected space“ und „safe space of childhood“. Mit beiden Begriffen wird ein Schutzraum definiert, in dem sich Kinder und Jugendliche abseits von den Gefahren der Erwachsenenwelt bewegen und dabei die Welt frei nach ihren BedĂŒrfnissen erkunden. SchonrĂ€ume können dabei reale Orte sein oder auch eine kĂŒnstlich arrangierte Umwelt. Deshalb findet man SchonrĂ€ume beispielsweise bei der Fernseh- und Internetnutzung und – ganz wichtig – bei der Verkehrserziehung. „Schonraumlernen bei Verkehrserziehung bedeutet in erster Linie, dass die Infrastruktur Fehler verzeiht und Gefahren minimiert werden“, erklĂ€rt Guido Meitler vom Kinderfahrzeugspezialisten Puky.

Verbindung zweier Welten

Verkehrserziehung soll dabei zwischen zwei Welten, der VerkehrsrealitĂ€t der Erwachsenen und der Spielwelt der Kinder, eine BrĂŒcke schlagen. Um dies zu erreichen, wird nach dem Sportwissenschaftler und PĂ€dagogen Siegbert A. Warwitz das methodische Lernen in drei Stufen gegliedert: Im Spielraum wird das Kind mit dem Thema vertraut gemacht. Im Simulationsraum werden erste gefahrenentschĂ€rfte Trainings absolviert. Diese beiden RĂ€ume werden unter dem Begriff Schonraum zusammengefasst. Der dritte Raum ist der Realraum, also das Fahren im Verkehr.

Spielend lernen, zu Hause oder unterwegs

Um Kinder nun spielerisch an das Radfahren heranzufĂŒhren, sind Übungen im Spielraum enorm wichtig. Mit Rutschfahrzeugen und LaufrĂ€dern unternehmen sie bereits im Vorfeld erste Versuche, sich ihre MobilitĂ€t zu erschließen. „SpielrĂ€ume können dabei in der Kita oder auch im eigenen Wohnzimmer entstehen. Es muss nur gewĂ€hrleistet sein, dass der natĂŒrliche Bewegungsdrang mit altersgerechten Fahrzeugen in sicherer Umgebung ausgelebt werden kann. Das weckt die Lust auf MobilitĂ€t“, so Meitler. Kinder lernen dabei, Geschwindigkeiten besser einzuschĂ€tzen, zu bremsen und zu lenken. Beim Fahren mit LaufrĂ€dern ĂŒben sie das Balance-Halten, was spĂ€ter wichtig fĂŒrs Radfahren ist. Im gemeinschaftlichen Spielen mit anderen Kindern erlernen sie auch erste Regeln. Immer beliebter bei Kindern und Eltern sind dabei Mountainbikes. Denn Waldwege oder leichte Trails sind ebenfalls ein möglicher Spielraum. „Wenn sie erste Hindernisse wie kleine Wurzeln oder Äste ĂŒberfahren, lernen Kinder einen gezielteren Umgang mit ihrem Rad in einem sicheren Umfeld. Von diesem Können profitieren sie spĂ€ter, wenn sie im Verkehr unterwegs sind“, weiß Svenja Kohnke, verantwortlich fĂŒr die Kinderfahrradmarke Early Rider beim Online-HĂ€ndler Bike Components.

Gefahren simulieren

Bei SimulationsrĂ€umen handelt es sich hingegen um realitĂ€tsnahe Verkehrsarrangements, in denen verkehrsgerechte Situationen geĂŒbt werden. Das kann z. B. auf einem verkehrsarmen Parkplatz, einem Sportplatz oder einem Schulverkehrsgarten sein. „Besonders wichtig ist hier das Interagieren mit FußgĂ€nger:innen und anderen Radfahrer:innen. Deshalb kann man gerne auch mal Markierungen wie Zebrastreifen oder Bremslinien auftragen und das richtige Verhalten ĂŒben“, so ein Tipp von Guido Meitler. Das schult die Kinder im Umgang mit Verkehrsteilnehmer:innen unterschiedlicher Geschwindigkeit. Aber auch das Erlernen von Verkehrsregeln gehört mit dazu. Hier sind auch Schulen beteiligt, die beispielsweise durch die Verkehrserziehung oder auch spezielle Übungen Kinder auf den Verkehr vorbereiten. Wichtig dabei: Gleich beim Lernen im Schonraum sollten die Kinder einen passenden Helm tragen. „So gewöhnen sie sich bereits bei den ersten Fahrten an den Kopfschutz und haben idealerweise bereits im Kindersitz oder -anhĂ€nger weitere Erfahrungen gesammelt. Beim Fahren im richtigen Verkehr sind sie dann deutlich besser geschĂŒtzt“, sagt Torsten Mendel vom Helmhersteller Abus.

UnterstĂŒtzen bei ersten richtigen Versuchen

Die dritte Lernstufe ist schließlich das sogenannte „Realraumlernen“, also die direkte Konfrontation mit dem Straßenverkehr und seinen möglichen Gefahren. Kinder sind in der Regel bis zu ihrem zehnten Lebensjahr kognitiv noch nicht weit genug entwickelt, um sich alleine komplett sicher im Straßenverkehr zu bewegen. Wo Risiken entstehen, ist es wichtig, mit Kindern direkt zu sprechen und auf ein mögliches Fehlverhalten hinzuweisen. Deshalb ist es wichtig, dass Eltern die Kinder im Verkehr anfĂ€nglich begleiten, denn die SchonraumĂŒbungen können nicht eins zu eins auf den alltĂ€glichen Verkehr ĂŒbertragen werden.

FĂŒr die reale Verkehrserziehung ist die frĂŒhzeitige Mitnahme der Kinder, beispielsweise in einem FahrradanhĂ€nger, Lastenrad oder Kindersitz, wichtig. „Kinder schauen sich sehr viel von ihren Eltern ab – gerade auch beim Thema Straßenverkehr. Durch die Mitfahrt im AnhĂ€nger lernen sie, wie man sich als Radfahrende im Verkehr richtig verhĂ€lt. Ein wichtiger Punkt fĂŒr die eigene MobilitĂ€t“, sagt Hanna Grau vom AnhĂ€ngerspezialisten Croozer. Um die Kinder noch besser zu schĂŒtzen und eine kinderfreundliche Infrastruktur zu ermöglichen, braucht es aber auch Änderungen in den Kommunen und der Politik, wie sie beispielsweise der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC e. V.) empfiehlt. Mehr Tempo 30 in den StĂ€dten und auch vor Schulen und KindergĂ€rten wĂŒrden helfen, die Sicherheit fĂŒr Kinder, egal ob mit Rad oder zu Fuß, deutlich zu verbessern.

Im Mittelpunkt der Familie

Seit mehr als 20 Jahren informieren wir Eltern, Großeltern und alle, die mit Kindern leben oder arbeiten ĂŒber Neuigkeiten aus der Region, Veranstaltungen, Themen, Tipps und Angebote. Wir entdecken die Stadt und ihre Umgebung auch immer wieder neu – das Entdeckte teilen wir gerne mit euch.

Diese Seite verwendet Cookies.

Bitte erlauben Sie den Einsatz von Cookies, damit Sie diese Seite in vollem Funktionsumfang nutzen können.

Speichern Abbrechen Ok, einverstanden Tracking ablehnen