Wähle deine persönlichen Lebensstufen. Wir versuchen dir nur die Inhalte anzuzeigen, die für dich gerade zutreffend sind.

Seiteninhalt
Seiteninhalt
Von Superkräften und dem Lauf des Lebens

In der Regel wachsen wir in einer beschützten Atmosphäre auf. Aus Kinderaugen betrachtet liegt uns die Welt zu Füßen und nichts kann das unschuldige Kinderherz betrüben. Wenn kindliche Probleme unfassbar riesig und überwältigend erscheinen, gibt es den elterlichen Schutz. Undurchsichtiger Nebel klärt sich auf und Probleme verschwinden, Aufgaben werden mit Hilfestellungen gemeistert und nach traurigen Momenten scheint wieder die Sonne. 

Spiderman-Maske vor Sonnenuntergang

Aus der Redaktion

01.10.2026

Lesezeit 3 Minuten

Der kindliche Tatendrang ist unaufhaltsam. Auch bei der nächsten dunklen Wolke weiß jedes Kind bewusst oder unbewusst: Mama und Papa helfen mir schon. So wachsen wir auf und der elterliche Rat wird selbst noch im Erwachsenenalter immer gerne hinzugezogen. Ob komplizierte Versicherungen oder Steuererklärungen, der anstehende Autokauf oder Infos zur Garzeit mehligkochender Kartoffeln, auf alle Fragen wird mit wertvollen Tipps eingegangen. Mutter und Vater sind da. Unsere persönlichen Superheld:innen im Alltag. Doch eines Tages erhalten wir die Nachricht, dass Oma oder Opa gestorben ist und wir merken plötzlich, dass sich die eigenen Eltern irgendwie anders verhalten oder sich verändern. Und spätestens in diesem Moment wird uns bewusst, dass es unseren Eltern genauso ergeht wie uns selbst. Die eigenen Superhelden sind mit einem Mal nicht mehr da. Es spielt überhaupt keine Rolle, in welchem Alter ein Elternteil stirbt. Wir empfinden den Verlust des geliebten Menschen als Verlust der eigenen Kindheit. Ein Stück der eigenen Vergangenheit verabschiedet sich und wir werden gezwungen, die Komfortzone zu verlassen und meinen, Verantwortung übernehmen zu müssen. Selbstverständlich haben wir das Verantwortungsgefühl bereits sehr oft unter Beweis gestellt, denn wir haben in unserem Leben selbst etwas erreicht. Familie, Job und Freund:innen ... wir haben alles im Griff. Aber gefühlt stehen wir beim Verlust der eigenen Eltern mit einem Mal allein da. Egal, wie gut unser soziales Netzwerk um uns herum aufgestellt ist oder Partnerin oder Partner uns unterstützen kann. Gefühlt sind wir in diesem Moment bloßgestellt, allein und unfassbar verletzlich.

Sprecht miteinander

Eine emotionale Achterbahnfahrt und die grausame Erkenntnis, vielleicht selbst gerade Alltagssuperheld:in zu sein ... oder sein zu müssen, weil wir eigentlich noch gar nicht so weit sind oder sein wollen. Jetzt stehen wir vor der Aufgabe, anderen Mitmenschen in unserer Familie zu helfen, deren Trauer zu bewältigen, und vergessen dabei vielleicht, selbst zu trauern. Einige Menschen verfallen in einen übertriebenen Organisationsdrang oder in eine Überfürsorge für andere. Die eigene Trauer wird erst einmal beiseitegeschoben und verdrängt. Doch dieser vermeintliche Selbstschutz wird uns aller Voraussicht nach auf die Füße fallen. Es ist wichtig, sich selbst die Zeit einzuräumen und Trauer zuzugestehen. Denn schließlich trauern wir um die eigenen Eltern, die uns unser gesamtes Leben begleitet haben. Und das Erschreckende in diesem Moment: Wir können niemanden mehr „vorausschicken“. Wir haben die innere Vorstellung, dass es bei der Lebenserwartung eine vorgegebene Reihenfolge gibt. Ich stehe nun an nächster Stelle ... eine beunruhigende Erkenntnis. Bis zum heutigen Tag war der Schutz der eigenen Vergänglichkeit irgendwie gewährleistet. Wie lange bleibt mir selbst noch?

Zeit zum Trauern einräumen

Ein großer Fehler in unserer heutigen Gesellschaft und Schnelllebigkeit ist es, über die Sterblichkeit der eigenen Eltern nicht zu sprechen. Es beginnt schon damit, wie genau die Wünsche der Eltern aussehen mögen. Welche Erwartungen und Vorstellungen gibt es? Eine unausgesprochene Erwartungshaltung kann nur zu Unsicherheit, Unmut und „Baustellenverschiebung“ führen. Denn wenn die nachfolgende Generation weiß, was zu berücksichtigen ist und welche letzten Wünsche zu beachten sind, kann man sich der Trauer widmen und hingeben. Der eigene Verarbeitungsprozess kann beginnen, ohne sich ständig selbst zu hinterfragen: „Mache ich das jetzt richtig?“, „War es überhaupt der Wille?“ oder „Passt das in die Vorstellung meiner Eltern?“. Aus meiner Sicht ist es unerlässlich, diese Themen frühzeitig anzusprechen. Es ist viel zu spät, sich erst im Sterbeprozess damit auseinanderzusetzen. In dieser letzten Phase sollte man sich nicht mit organisatorischen Dingen beschäftigen müssen, die Zeit sollte dazu genutzt werden, Abschied zu nehmen. Das gegenseitige Loslassen erleichtert das Verabschieden auf beiden Seiten. Ein erzwungenes Festhalten an dem Unumkehrbaren ergibt in dieser emotionalen Situation keinen Sinn. „Lieben“ kann auch „Loslassen“ bedeuten und der vorgegebene Weg wird leichter und ertragbarer. Um für sich selbst trauern zu können, kann es hilfreich sein, sich einen bestimmten Zeitraum fest in den Alltag einzuplanen. In dieser Zeit wird geweint und gelacht, man ist wütend oder spricht mit dem verstorbenen Elternteil ... Auch zu „Dancing Queen“ zu tanzen, mit einem Glas Sekt in der Hand, mag diese Schwere etwas erleichtern. Denn in der Trauer gilt: Alles kann, nichts muss.

Text: Kai Windmann-Schultheis

Über den Autor

Kai Windmann-Schultheis ist ausgebildeter freier Redner in Düsseldorf und begleitet Menschen in ihren emotionalsten Momenten. Er unterstützt Familien dabei, Abschiedsfeiern einzigartig und individuell zu gestalten und würdigt in seinen Reden den Charakter und die Persönlichkeit der verstorbenen Person. In einem ausführlichen Vorgespräch berät er zum Ablauf der Trauerfeier und begleitet bis zur Abschiednahme am Grab.

ZUR WEBSITE

Im Mittelpunkt der Familie

Seit mehr als 20 Jahren informieren wir Eltern, Großeltern und alle, die mit Kindern leben oder arbeiten über Neuigkeiten aus der Region, Veranstaltungen, Themen, Tipps und Angebote. Wir entdecken die Stadt und ihre Umgebung auch immer wieder neu – das Entdeckte teilen wir gerne mit euch.

Datenschutzeinstellungen

Wir nutzen bei dieser Website die unten aufgeführten, externen Dienste. Diese Dienste können Cookies setzen und ihnen wird Ihre IP-Adresse übermittelt. Darüber können diese ggf. Ihre Aktivitäten und Ihre Identität im Web bestimmen und nachverfolgen ("Tracking"). Ihre Einwilligung dazu können Sie jederzeit widerrufen. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.

Datenschutzhinweise