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Rumpelstilzchen lĂ€sst grĂŒĂŸen!

Wenn Kinder wĂŒten und beißen, schreien, bocken, um sich schlagen oder sich auf dem Boden wĂ€lzen, scheint die Diagnose klar: Trotzphase! Doch Moment mal: Beschreibt der Begriff Trotz wirklich am besten, was in den kleinen WĂŒterichen vorgeht?

kleiner Junge schreit wĂŒtend mit geballten FĂ€usten

Pia Arras-Pretzler

30.04.2024

Lesezeit 3 Minuten

Wir haben GlĂŒck – im Gegensatz zu den Elterngenerationen vor uns brauchen wir keine Angst zu haben, uns von unseren Kindern zu sehr auf der Nase herumtanzen zu lassen. Der Blick auf Kinder hat sich inzwischen grundsĂ€tzlich gewandelt – weg von den „Tyrannen“ hin zur Idee von im Grunde kooperationsfreudigen kleinen Wesen, die aber (noch) nicht immer in der Lage sind, mit uns so zu kommunizieren, dass wir sie verstehen.

Nicht trotzig, sondern hilflos

Aus diesem Grund ersetzen viele Ratgeber den Begriff „Trotz“ inzwischen durch „Wut“. Wenn Kinder sich verweigern, tun sie dies nicht aus Trotz, sondern weil sie von ihren eigenen GefĂŒhlen ĂŒberrollt werden. Dabei sehen sie schlicht keinen anderen Weg, uns das mitzuteilen, als eben die allseits bekannte WĂŒterei. Allein diese Erkenntnis kann viele Situationen entschĂ€rfen – wer sich ĂŒberlegt, was hinter dem aktuellen Wutanfall stecken könnte, kommt mit ein bisschen Übung auf ĂŒberraschende Lösungen und reagiert von vornherein weniger genervt.

Was im Kopf von Kindern vorgeht

So, wie ein Kind krabbeln, laufen und sprechen lernt, lernt es auch erst mit den Jahren, seine Instinkte und GefĂŒhle zu kontrollieren. Das hĂ€ngt mit dem Aufbau des menschlichen Gehirns zusammen. Sehr vereinfacht gesagt hat unser Gehirn zwei Bereiche: eine Abteilung fĂŒr Emotionen (limbisches System) und fĂŒr Überlegungen (Neokortex). Das limbische System ist unter anderem dafĂŒr verantwortlich, instinktiv auf Gefahren zu reagieren. Analytische Überlegungen ĂŒbernimmt der Neokortex, und er braucht dafĂŒr immer einen Hauch lĂ€nger. Er hilft uns, bewusste Entscheidungen zu treffen und auch, unsere Impulse zu kontrollieren. Der dafĂŒr zustĂ€ndige Bereich heißt prĂ€frontaler Kortex, liegt im Stirnbereich und fĂ€hrt erst im Lauf der Jahre hoch. Bei Stress (im Sinn von Frust, Hunger, enttĂ€uschten Erwartungen, Traurigkeit, MĂŒdigkeit) ĂŒbernimmt das emotionale limbische System die ZĂŒgel – was alle bestĂ€tigen können, die schon mal versucht haben, einen Zwerg im Wut-Tunnel mit rationalen Argumenten zur erreichen. 

Authentisch reagieren ...

Kinder brauchen also in ihrem GewĂŒte Bezugspersonen, die ihre BedĂŒrfnisse dahinter sehen und darauf authentisch reagieren. Sie sind darauf angewiesen, dass wir ihnen helfen, ihre Reaktionen zu regulieren und ihnen spiegeln, was gerade in ihnen vorgeht. Es ist nicht hilfreich, wenn wir uns dabei von außen betrachten und vor allem wollen, dass wir wĂ€hrenddessen ein gutes Bild abgeben fĂŒr andere. Kinder lernen von uns, welche Bandbreite an GefĂŒhlen – positiven und negativen – es gibt und wie man damit umgeht. Eine genervte Mutter, die mit bemĂŒht freundlicher Stimme spricht und gleichzeitig sehr angespannt ist, sendet ihrem Kind unterschiedlichste Signale, die es verwirren. Also: authentisch bleiben, dem Kind zeigen, dass man sein BedĂŒrfnis verstanden hat. Auch wenn einem dabei die gesamte Kassenschlange zuschaut.


 und einen Blick zurĂŒck werfen

Ebenso verwirrend und sogar beĂ€ngstigend ist es fĂŒr Kinder, wenn Eltern in solchen Momenten sehr heftig reagieren – das passiert gar nicht so selten. Weil wir uns hilflos fĂŒhlen, weil es uns peinlich ist, aber auch, weil plötzlich Programme aufgerufen werden, die uns in unsere eigene Kindheit zurĂŒckkatapultieren. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass unsere Eltern oder Großeltern und andere Betreuungspersonen – bei allem guten Willen – uns mitunter zumindest missverstanden haben, und dass wir uns als Kinder deshalb in Situationen wiederfanden, die uns zutiefst traurig, wĂŒtend, beschĂ€mt zurĂŒckgelassen haben. Solche GefĂŒhle können in Stresssituationen mit unseren Kindern wieder aufploppen. Dann wissen wir kaum, wie uns geschieht, wenn die Wut unseres Augensterns uns plötzlich selbst in rasende Wut versetzt. Was dabei helfen kann: versuchen, sich möglichst ergebnisoffen in die eigene Kindheit zurĂŒckzuversetzen. Situationen, die einem dann in den Sinn kommen, können einen Hinweis darauf geben, was uns gerade so triggert. Und dann? Dem Kind in dir mit genau so viel Empathie und Liebe begegnen wie deinem eigenen Kind. Es wird euch beiden danach besser gehen.

FĂŒnf Tipps fĂŒr WĂŒteriche

1) Nimm’s nicht persönlich 
Dein Kind wĂŒtet nicht aus Trotz oder um dich zu Ă€rgern. Versuche herauszufinden, was es dir mitteilen will.

2) Suche nach Mustern 
Gibt es bestimmte Situationen, die regelmĂ€ĂŸig aus dem Ruder laufen? Wie kannst du sie entschĂ€rfen? Welche GrundbedĂŒrfnisse (Schlaf, Essen, Zuwendung, Körperkontakt, Selbstbestimmung) kamen vielleicht im Vorfeld zu kurz?

3) Think again 
Unser Gehirn gewichtet negative Dinge stÀrker als positive. Wir tendieren dazu, Gutes als selbstverstÀndlich hinzunehmen. Versuche deine Aufmerksamkeit darauf zu richten, in welchen Bereichen dein Kind wunderbar kooperiert.

4) Choose your battles 
Keiner ist perfekt, und im Zusammenleben geht es darum, Kompromisse einzugehen und Wege zu finden, mit denen alle leben können. Überlege dir also, welche Dinge dir wirklich wichtig sind, und wo du auch mal fĂŒnf gerade sein lassen kannst.

5) Lass dich unterstĂŒtzen 
Wenn du das GefĂŒhl hast, ĂŒberfordert zu sein und selbst immer öfter ausflippst, hol dir Hilfe. Du bist damit nicht allein. Ich fand das Buch „Das gewĂŒnschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn. Der entspannte Weg durch Trotzphasen“ sehr hilfreich.

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