„Warte, bis die Frankenheim-Schwestern kommen, dann wird es lustig“, versprach ein gemeinsamer Freund seiner Frau, als sich die beiden auf einer Veranstaltung zu langweilen begannen. Die Frankenheim-Schwestern kamen aber nicht, weil ein Virus aus dem Kindergarten sie in die Knie gezwungen hatte, aber dazu später mehr. Zunächst fragen wir uns, wie das zusammenpasst, das Lustige und die Beschäftigung mit einem Thema, das wir alle am liebsten, äh, totschweigen würden? „Es klingt vielleicht komisch, aber es ist eine schöne Aufgabe, Menschen in Ausnahmesituationen wie einer Beerdigung zu helfen, dass der Abschied trotz aller Trauer eine gute, tröstliche Erfahrung sein kann“, versichern die Schwestern. Wie hat es sich für sie angefühlt, schon von klein auf mit dem Thema Tod konfrontiert zu werden? „Ganz normal“, konstatiert Victoria (*1994). „Es wurde uns erst mit der Pubertät bewusst, dass das Unternehmen unseres Vaters irgendwie anders war – nämlich, als meine Klassenkameraden anfingen, mich zu hänseln, nach dem Motto: Bei euch liegen Leichen im Keller. Dabei haben wir woanders gewohnt!“ „Ja, wenn schon hänseln, dann die Fakten klar haben“, bemerkt ihre ältere Schwester Juliane (*1991) trocken. Juliane erinnert sich an eine andere Geschichte: „Bei uns zu Hause gab es immer mal Papier aus dem Unternehmen – weil zum Beispiel der schwarze Rand nicht richtig gedruckt war. Das haben wir zum Zeichnen bekommen, auch meine Freundinnen. Zumindest, bis eine Mutter empört angerufen hat …“ Den beiden Schwestern war es wichtig, nicht nahtlos in den Familienbetrieb mit dem schwarzen Rand zu rutschen, sondern sich erst in der Welt umzusehen. Juliane studierte in Irland Personalmanagement mit einem Bachelor in Human Resource Management und machte im Anschluss in London ihren Master in Consumer Psychology, Victoria ist ausgebildete Medienkauffrau (Digital und Print) und hat einen Bachelor in Wirtschaftspsychologie. „Es war schon gut, dass wir die Erfahrung gemacht haben, wie es ist, angestellt zu sein, bevor wir selbst Chef wurden“, meint Victoria. Chef wollten sie übrigens nur zusammen werden oder gar nicht, und so ließen sie sich gemeinsam zu Bestattermeisterinnen ausbilden und gingen auch gemeinsam auf die Walz. Die beiden Schwestern traten mit dem Anspruch an, dafür zu sorgen, dass Menschen sich nach wie vor bei ihnen gut aufgehoben fühlen, auch wenn die Bedürfnisse und der Markt sich verändern. „Deshalb wollen wir Berührungspunkte bieten, bevor der Ernstfall eintritt. Wir sehen immer wieder, wie wichtig es wäre, dass sich Menschen mit ihrer Endlichkeit befassen und vor allem auch mit anderen darüber sprechen. Wir haben hier oft Leute sitzen, die völlig verzweifelt sind, weil sie nicht die leiseste Ahnung haben, was sich der oder die Verstorbene gewünscht haben würde – weil es nie Thema war.“
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