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Abschiedsexpertinnen

Die Schwestern Juliane und Victoria Frankenheim leiten den gleichnamigen Familienbetrieb in sechster Generation, der sich aus einer Schreinerei zum Bestattungsunternehmen entwickelte.

Porträt der Schwestern Juliane und Victoria Frankenheim

Pia Arras-Pretzler

24.09.2026

Lesezeit 3 Minuten

„Warte, bis die Frankenheim-Schwestern kommen, dann wird es lustig“, versprach ein gemeinsamer Freund seiner Frau, als sich die beiden auf einer Veranstaltung zu langweilen begannen. Die Frankenheim-Schwestern kamen aber nicht, weil ein Virus aus dem Kindergarten sie in die Knie gezwungen hatte, aber dazu später mehr. Zunächst fragen wir uns, wie das zusammenpasst, das Lustige und die Beschäftigung mit einem Thema, das wir alle am liebsten, äh, totschweigen würden? „Es klingt vielleicht komisch, aber es ist eine schöne Aufgabe, Menschen in Ausnahmesituationen wie einer Beerdigung zu helfen, dass der Abschied trotz aller Trauer eine gute, tröstliche Erfahrung sein kann“, versichern die Schwestern. Wie hat es sich für sie angefühlt, schon von klein auf mit dem Thema Tod konfrontiert zu werden? „Ganz normal“, konstatiert Victoria (*1994). „Es wurde uns erst mit der Pubertät bewusst, dass das Unternehmen unseres Vaters irgendwie anders war – nämlich, als meine Klassenkameraden anfingen, mich zu hänseln, nach dem Motto: Bei euch liegen Leichen im Keller. Dabei haben wir woanders gewohnt!“ „Ja, wenn schon hänseln, dann die Fakten klar haben“, bemerkt ihre ältere Schwester Juliane (*1991) trocken. Juliane erinnert sich an eine andere Geschichte: „Bei uns zu Hause gab es immer mal Papier aus dem Unternehmen – weil zum Beispiel der schwarze Rand nicht richtig gedruckt war. Das haben wir zum Zeichnen bekommen, auch meine Freundinnen. Zumindest, bis eine Mutter empört angerufen hat …“ Den beiden Schwestern war es wichtig, nicht nahtlos in den Familienbetrieb mit dem schwarzen Rand zu rutschen, sondern sich erst in der Welt umzusehen. Juliane studierte in Irland Personalmanagement mit einem Bachelor in Human Resource Management und machte im Anschluss in London ihren Master in Consumer Psychology, Victoria ist ausgebildete Medienkauffrau (Digital und Print) und hat einen Bachelor in Wirtschaftspsychologie. „Es war schon gut, dass wir die Erfahrung gemacht haben, wie es ist, angestellt zu sein, bevor wir selbst Chef wurden“, meint Victoria. Chef wollten sie übrigens nur zusammen werden oder gar nicht, und so ließen sie sich gemeinsam zu Bestattermeisterinnen ausbilden und gingen auch gemeinsam auf die Walz. Die beiden Schwestern traten mit dem Anspruch an, dafür zu sorgen, dass Menschen sich nach wie vor bei ihnen gut aufgehoben fühlen, auch wenn die Bedürfnisse und der Markt sich verändern. „Deshalb wollen wir Berührungspunkte bieten, bevor der Ernstfall eintritt. Wir sehen immer wieder, wie wichtig es wäre, dass sich Menschen mit ihrer Endlichkeit befassen und vor allem auch mit anderen darüber sprechen. Wir haben hier oft Leute sitzen, die völlig verzweifelt sind, weil sie nicht die leiseste Ahnung haben, was sich der oder die Verstorbene gewünscht haben würde – weil es nie Thema war.“ 

In einem Familienbetrieb findet Familienleben auch im Betrieb statt.

Juliane und Victoria Frankenheim

Frankenheim bietet deshalb niederschwellige Angebote wie Yoga oder True-Crime-Lesungen an, damit Menschen die Räumlichkeiten positiv – und nicht erst in einer Ausnahmesituation – erleben. Dafür bekommen die Frankenheim-Schwestern sehr positives Feedback. Auch Menschen von außerhalb nutzen die Räume gern: „Letztens rannten uns die Leute bei einem externen Angebot die Bude ein!“, freut sich Juliane. Für maximale Niederschwelligkeit gibt es den Podcast „Auf ein Sterbenswörtchen“:  Darin sprechen die Schwestern über alles, was in ihren Erfahrungsbereich fällt – angefangen von ganz praktischen Themen wie dem Papierkram, der um einen Todesfall herum anfällt, über Kindertrauer bis zu Entspannungstipps für fordernde Zeiten. Und wie geht eine Familie, die sozusagen vom Fach ist, mit ihren eigenen Todesfällen um? „Als unsere Großeltern starben, erinnern wir uns vor allem an das Gefühl von Gemeinschaft. Das hat sich in der Gesellschaft in der Zwischenzeit stark verändert. Familien leben verstreut, und im Trauerfall greifen nicht wie früher Traditionen und feste Abläufe.“ In ihrer eigenen Familie ziehen sich bestimmte Werte und auch Traditionen durch, etwa: „Unsere Ehepartner haben nichts mit dem Unternehmen zu tun. Das war immer schon so, wobei, na ja, unsere Mutter hat sich später zur Trauerbegleiterin ausbilden lassen.“ Die Nähe zu den Eltern stimmte Juliane und Victoria auch sehr zuversichtlich, als sie ihr aktuelles Projekt in Angriff nahmen, das längerfristig angelegt ist – ihre Kinder. Victoria als die Jüngere mit ihrem 16 Monate alten Sohn ist ihrer Schwester ein paar Monate voraus, deshalb hat sie auch schon erste Erfahrungen mit Kita gemacht und seufzt: „Was wir in letzter Zeit alles an Krankheiten abbekommen haben, mir reicht’s langsam. Ich erspare euch die Details, warum wir es letztens nicht geschafft haben, zu diesem Fest zu kommen, obwohl wir es versprochen hatten …

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