Wähle deine persönlichen Lebensstufen. Wir versuchen dir nur die Inhalte anzuzeigen, die für dich gerade zutreffend sind.

Seiteninhalt
Seiteninhalt
Einfach machen

Weil der Düsseldorfer Singer-Songwriter enkelson. Ideen eher als Visionen erlebt, die er ganz genau vor sich sieht, vertraut er seinem Bauchgefühl.

Porträt des Musikers enkelson.

Pia Arras-Pretzler

30.04.2026

Lesezeit 3 Minuten

enkelson. schlägt als Treffpunkt das Café Kwadrat in Pempelfort vor. Dort hat er früher gekellnert, und er wohnt in der Nähe. Unseren Tisch am Fenster findet er okay – nur in die Mitte des Raums würde er sich nie setzen: „Klingt jetzt komisch, aber ich bin nicht gern im Mittelpunkt.“ Glaube ich ihm sofort – meine Freundin Sabrina hat mich schon eingenordet, dass enkelson. ein total netter Typ sei, und so erlebe ich ihn auch von Minute eins an. Sie hat ihn während Corona bei mindestens zehn seiner legendären Hinterhof-Konzerte erlebt – für sie und viele andere ein Lichtblick in einer schweren Zeit. Die Geschichte von enkelson. beginnt aber viel früher, in Gerresheim, wo er als Ältester von drei Geschwistern aufwächst. Sein Vater ist Italiener – ein tougher Mann, der für seine Kinder das Beste möchte. Und so bekommt enkelson. mit etwa zehn Jahren eine Heimorgel geschenkt, denn dass der Junge Futter braucht, ist schon lange klar. Er hat sich mit vier Jahren selbst lesen, schreiben und rechnen beigebracht. Doch der Klavierunterricht stresst ihn. „Bei uns war das Geld immer knapp und das war eine riesige Ausgabe. Aber ich wollte keine Noten lernen, ich wollte lieber gleich Songs spielen, die mir gefallen. Was ich damals nicht wusste – ich bin Synästhet, ich verbinde Klänge mit Gefühlen und so mache ich Musik.“ Weil er gern mit Kindern arbeitet, überlegt er sich, Lehramt zu studieren: Mathe, Deutsch, Musik. Was er auch noch nicht weiß: Er hat ADHS, wodurch er mit dem Studium nicht recht weiterkommt. Und er kämpft mit Depressionen – eine gängige Komorbidität bei ADHS. Außerdem kann er sich keine Gesichter merken – eine Form von Gesichtsblindheit, die ihm sehr unangenehm ist. „Menschen sind natürlich gekränkt, wenn ich sie nicht wiedererkenne.“

Ich wollte schon als Kind mein eigener Chef sein.

enkelson.

Als Jugendlicher bereist er die Welt, fährt nach Namibia, Ghana und Indien. 2009 hat er das Gefühl, er braucht den völligen Cut von Düsseldorf und zieht nach Wien. Von dort holt ihn ein Clip vom Rheinturm wieder zurück – plötzlich bekommt enkelson. Heimweh. Er nimmt sein Studium wieder auf, bricht aber wieder ab, weil er merkt: Er möchte Musiker sein. Ohne Netz. Der Künstlername enkelson. hilft ihm dabei: „Schon als Kind haben die Leute zu meinem Bruder und mir wegen unseres italienischen Nachnamens gesagt – der klingt so toll, ihr werdet mal Künstler! Aber ich wollte einen eigenen Namen.“ Als enkelson. agiert er auch anders: „Da traue ich mir Dinge zu, die ich privat nie machen würde. Ich habe zum Beispiel Höhenangst, aber als enkelson. steige ich dann trotzdem auf die Drehleiter.“ Als enkelson. 2020 wie alle anderen auch während Corona zu Hause sitzt, hat er sich eine ganz solide, vor allem lokale Fanbase aufgebaut. Sein Lied „Düsseldorf“ läuft gut, beim letzten Konzert im Dezember 2019 werden ihm die Tickets zwar nicht aus der Hand gerissen, aber der Saal der Komödie wird voll. Als der erste Lockdown beschlossen wird, überlegt er, die Leute mit seiner Musik ein bisschen aufzumuntern. Er packt Verstärker und Keyboard ins Auto und stellt sich auf die Wiese bei den Rheinterrassen. „In dem Moment bemerkte ich: keine gute Idee. Ich wollte, dass die Leute mich im Vorübergehen hören, aber die blieben stehen. Also habe ich sofort alles eingepackt, ohne einen einzigen Ton zu spielen – und baute alles auf dem Dach des Hauses, in dem ich wohne, wieder auf.“ Da steht er also ganz allein, schaut hinunter auf den Hinterhof, es ist gegen 18 Uhr. „Ich hab gezittert, bevor ich den ersten Ton gesungen habe.“ Als ihn die Leute hören, gehen die Balkontüren auf, Feuerzeuge werden gezückt, obwohl es noch gar nicht dunkel ist. Nach ein paar Liedern packt enkelson. zusammen, lädt das Video, das er gemacht hat, hoch, und merkt bald: Es geht viral. Als er aufwacht, ist er erschlagen von dem Hype, den er ausgelöst hat. Insgesamt 79 Hinterhofkonzerte wird er im nächsten halben Jahr noch spielen. Für seine Auftritte nimmt er kein Geld, nur für den Abschluss seiner Aktion, das 79. Konzert. Diese 79 hat er sich auf die Handwurzel tätowieren lassen. Die 550 Tickets sind sofort ausverkauft. Und enkelson. steht auf der Bühne bei den Rheinterrassen ungefähr an der Stelle, die er vor einem knappen halben Jahr fluchtartig verlassen hat, um aufs Dach zu steigen. Derzeit schreibt und probt er mit dem Ernstings-Family Kids Chor Lieder zu Themen, mit denen die Kinder sich beschäftigen wollen. Über einen Kinderchor hatte er auch schon Kontakt zu Udo Lindenberg: „Der hat ja mal gesagt, er würde am liebsten so lange singen, bis er den Löffel abgibt, vorzugsweise auf der Bühne. Das kann ich unterschreiben. Aber bevor es so weit ist, möchte ich noch ganz viele Lieder komponieren. Ich bin selbst schon richtig gespannt, welche das sein werden.“

Im Mittelpunkt der Familie

Seit mehr als 20 Jahren informieren wir Eltern, Großeltern und alle, die mit Kindern leben oder arbeiten über Neuigkeiten aus der Region, Veranstaltungen, Themen, Tipps und Angebote. Wir entdecken die Stadt und ihre Umgebung auch immer wieder neu – das Entdeckte teilen wir gerne mit euch.

Datenschutzeinstellungen

Wir nutzen bei dieser Website die unten aufgeführten, externen Dienste. Diese Dienste können Cookies setzen und ihnen wird Ihre IP-Adresse übermittelt. Darüber können diese ggf. Ihre Aktivitäten und Ihre Identität im Web bestimmen und nachverfolgen ("Tracking"). Ihre Einwilligung dazu können Sie jederzeit widerrufen. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.

Datenschutzhinweise