enkelson. schlägt als Treffpunkt das Café Kwadrat in Pempelfort vor. Dort hat er früher gekellnert, und er wohnt in der Nähe. Unseren Tisch am Fenster findet er okay – nur in die Mitte des Raums würde er sich nie setzen: „Klingt jetzt komisch, aber ich bin nicht gern im Mittelpunkt.“ Glaube ich ihm sofort – meine Freundin Sabrina hat mich schon eingenordet, dass enkelson. ein total netter Typ sei, und so erlebe ich ihn auch von Minute eins an. Sie hat ihn während Corona bei mindestens zehn seiner legendären Hinterhof-Konzerte erlebt – für sie und viele andere ein Lichtblick in einer schweren Zeit. Die Geschichte von enkelson. beginnt aber viel früher, in Gerresheim, wo er als Ältester von drei Geschwistern aufwächst. Sein Vater ist Italiener – ein tougher Mann, der für seine Kinder das Beste möchte. Und so bekommt enkelson. mit etwa zehn Jahren eine Heimorgel geschenkt, denn dass der Junge Futter braucht, ist schon lange klar. Er hat sich mit vier Jahren selbst lesen, schreiben und rechnen beigebracht. Doch der Klavierunterricht stresst ihn. „Bei uns war das Geld immer knapp und das war eine riesige Ausgabe. Aber ich wollte keine Noten lernen, ich wollte lieber gleich Songs spielen, die mir gefallen. Was ich damals nicht wusste – ich bin Synästhet, ich verbinde Klänge mit Gefühlen und so mache ich Musik.“ Weil er gern mit Kindern arbeitet, überlegt er sich, Lehramt zu studieren: Mathe, Deutsch, Musik. Was er auch noch nicht weiß: Er hat ADHS, wodurch er mit dem Studium nicht recht weiterkommt. Und er kämpft mit Depressionen – eine gängige Komorbidität bei ADHS. Außerdem kann er sich keine Gesichter merken – eine Form von Gesichtsblindheit, die ihm sehr unangenehm ist. „Menschen sind natürlich gekränkt, wenn ich sie nicht wiedererkenne.“
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