Ich weiß nicht, wie ich anfangen soll. Und wenn ich nicht müsste, weil es sich nun einmal gehört, ein Editorial zu schreiben, hätte ich vermutlich gar nicht angefangen. So ist das mit dem Tod. Man will sich nicht damit auseinandersetzen und bevor man das Falsche sagt (oder in meinem Falle schreibt), sagt man lieber nichts. Auch doof.
Wenn wir uns mit dem Tod auseinandersetzen müssen, passiert das in den seltensten Fällen freiwillig. Es fühlt sich falsch an, vom Schlimmsten auszugehen, obgleich wir wissen, dass es am Ende doch uns alle betreffen wird. Trotzdem ist da diese Angst, fast so, als würde man den Tod herbeireden, sobald man auch nur davon spricht. Angst vor dem Ungewissen. Angst davor, sich irgendwann ein letztes Mal verabschieden zu müssen. Im Laufe dieses Jahres habe ich bei der Arbeit an diesem Heft mehr als nur ein Tränchen verdrückt. Schnell driftet man vom Abstrakten ab zum eigenen Leben. Denkt plötzlich an die Liebs-ten, zieht Vergleiche und schiebt dann alles ganz schnell wieder von sich weg. „Das hat noch Zeit, so alt bin ich noch nicht“, reden wir uns nicht nur selbst ein. Es wird uns gefühlt auch so vermittelt.
Was alle wissen, die diese Ausgabe gerade in ihren Händen halten: Es ist ein Thema für jedes Alter. Von Kita bis Seniorenheim, von Küchentisch bis Büro wird gestorben, getrauert und getröstet. Wie viel leichter es sein könnte, wenn es uns etwas weniger unangenehm wäre, darüber zu sprechen ... Vielleicht haltet ihr auch gerade deshalb jetzt diese Ausgabe in den Händen. Hi. Willkommen! Wir machen das jetzt zusammen, okay?
Denn im Grunde mache ich diese Sonderausgabe auch ein bisschen für mich selbst. Im vergangenen Jahr habe ich getrauert und getröstet. Was sich erst wie ein Dauerzustand angefühlt hat, scheint mittlerweile zu einem weiteren Steinchen meines Lebensmosaiks geworden zu sein. Ich denke nicht mehr jeden Tag daran, es ist einfach zu einem Teil von mir geworden. Warum brauche ich dann trotzdem noch dieses Heft? Ich habe das Gefühl, etwas nicht „richtig“ gemacht zu haben. In der Trauer gibt es kein Richtig oder Falsch, auf rationaler Ebene ist mir das auch bewusst. Aber das Gefühl bleibt. Ironischerweise habe ich in einer ähnlichen Situation getröstet, die ich selbst betrauert habe. Es lagen nur wenige Monate dazwischen. Ich müsste es also eigentlich besser wissen und denke dennoch, zu wenig gemacht, das Falsche gesagt zu haben oder zu früh zurück zur Normalität zurückgekehrt zu sein.
Für Eltern wird es nochmal komplizierter. Ich befinde mich selbst in einer Ausnahmesituation und muss jetzt noch für jemand anderes verfügbar sein? Ironischerweise war aber genau meine Tochter die größte Hilfe in diesen Situationen. Nicht weil sie mich aufgefangen oder unterstützt hat, sondern weil sie mir zeigt, was eigentlich schon reicht: zuhören. Fragen ehrlich beantworten. Sie hat gar nicht erwartet, dass ich für sie stark bin. Wir haben zusammen geweint. So versuche ich auch weiterhin zu trösten, trotz des Störgefühls, es nicht richtig zu machen. Deshalb mache ich diese Ausgabe auch für mich. Für Mel und für Victoria. Und für alle, die es brauchen. Einen passenden Abschlusssatz finde ich nicht, dies wird jetzt ein abruptes Ende. So ist das manchmal leider.
Natalie McKeever
und das Libelle-Team